Wie die Anthroposophische Gesellschaft rassistische Äußerungen R. Steiners unterschlägt und umdeuted.
Mit ihrer Website „anthroposophie-gegen-rassismus.de“ möchte die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland e.V. laut eigener Angabe „zu einer sachlichen und aufgeklärten Diskussion beitragen.“ Doch der Abgleich ihrer Texte mit den Aussagen R. Steiners zeichnet ein anderes Bild.
Um die folgenden Ausführungen nachvollziehbar abzubilden, ist jeweils erst mal ein ganzer Textabschnitt der Website anthroposophie-gegen-rassismus.de oder einer dort verlinkten Publikation aufgeführt. Dann wird auf einzelne Argumentationspunkte näher eingegangen und es werden ihnen Textpassagen aus der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA) gegenübergestellt. Die Quellenangaben sind ohne Seitenzahlen, da diese angesichts der Menge an unterschiedlichen Ausgaben und Formaten nur bedingt weiterhelfen würden. Statt dessen kann einfach die Suchfunktion bei den digitalen Formaten genutzt werden, um Textstellen im jeweiligen Buch wieder zu finden.
Viele der hier angeführten Textpassagen R. Steiners enthalten rassistische oder anders problematische Äußerungen. Meine Ausführungen haben jedoch nicht zum Schwerpunkt, ob R. Steiner Rassist war. Ich möchte statt dessen sichtbar machen, in welchem Ausmaß die betreffenden Passagen von der Anthroposophischen Gesellschaft unterschlagen oder sinnentstellend zitiert werden.
In der Zwischenzeit hat die Anthroposophische Gesellschaft ihren Text mit dem Titel „War Steiner Rassist?“ ersetzt. Ich gehe im ersten Teil trotzdem nochmals auf die ursprüngliche Antwort ein. Denn anstatt diese richtig zu stellen, verwendet die Anthroposophische Gesellschaft viele der dort aufgestellten Behauptungen in abgewandelter Form weiterhin in ihrer neuen Antwort, siehe Teil 2.
Teil 1
Zu Beginn der ursprüngliche Text, welcher noch über ein Webarchiv abrufbar ist, zur Frage: „War Steiner Rassist?“
War Steiner Rassist?
In der Tat findet man in einzelnen seiner etwa sechstausend Vorträge (ca. 89.000 Druckseiten) Passagen, etwa über Afrikaner oder „Indianer“, die klar abwertend klingen. Und grundsätzlich war Steiner tatsächlich überzeugt, dass die einzelnen Völker und Kulturen Blütezeiten und Niedergänge erleben, dass sie durchaus unterschiedliche Dispositionen haben und im Lauf der Menschheitsgeschichte entsprechend unterschiedliche Beiträge leisten können, etwa wie Stimmen in einem Konzert. Heute gilt eine solche Sichtweise weithin als politisch unkorrekt und potentiell diskriminierend. Er selbst hielt sie schlicht für realistisch und wandte sich schon damals gegen das, was er als leere Gleichheitsvorstellungen wahrnahm, „Abstraktionen“, wie er oft sagte.
Zu ergänzen ist, dass Steiner immer und von Grund auf vom Individuum her dachte, dass er also – bei allem Interesse an ethnischen und kulturellen Unterschieden – niemals einzelne Menschen auf solche Kategorien festlegte, so wie es für Rassisten damals und heute typisch ist. Denn eines der Hauptthemen von Steiner ist die bewusste Emanzipation des einzelnen Menschen aus seinen Prägungen durch Abstammung und Sozialisation.
Zu ergänzen ist außerdem, dass Steiners Reinkarnationsdenken schlecht zu einem rassistischen Weltbild passt. Der Gedanke, zu anderen Zeiten in anderen Völkern verkörpert zu sein, wäre einem Rassisten ein Gräuel.
In der Tat findet man in einzelnen seiner etwa sechstausend Vorträge (ca. 89.000 Druckseiten) Passagen, etwa über Afrikaner oder „Indianer“, die klar abwertend klingen.
unterschlägt, dass sich solche Passagen nicht nur in R. Steiners Vorträgen, sondern auch in seinen Schriften finden. Hier ein Beispiel aus dem Buch „Aus der Akasha-Chronik“:
Die Vorfahren der Atlantier wohnten auf einem verschwundenen Landesteil, dessen Hauptgebiet südlich vom heutigen Asien lag. Man nennt sie in theosophischen Schriften die Lemurier. Nachdem diese durch verschiedene Entwickelungsstufen durchgegangen waren, kam der größte Teil in Verfall. Er wurde zu verkümmerten Menschen, deren Nachkommen heute noch als sogenannte wilde Völker gewisse Teile der Erde bewohnen. Nur ein kleiner Teil der lemurischen Menschheit war zur Fortentwickelung fähig. Aus diesen bildeten sich die Atlantier. – Auch später fand wieder etwas ähnliches statt. Die größte Masse der atlantischen Bevölkerung kam in Verfall, und von einem kleinen Teil stammen die sogenannten Arier ab, zu denen unsere gegenwärtige Kulturmenschheit gehört. Lemurier, Atlantier und Arier sind, nach der Benennung der Geheimwissenschaft, Wurzelrassen der Menschheit. Man denke sich zwei solcher Wurzelrassen den Lemuriern vorangehend und zwei den Ariern in der Zukunft folgend, so gibt das im ganzen sieben. Es geht immer eine aus der andern in der Art hervor, wie dies eben in bezug auf Lemurier, Atlantier und Arier angedeutet worden ist. Und jede Wurzelrasse hat physische und geistige Eigenschaften, die von denen der vorhergehenden durchaus verschieden sind. Während zum Beispiel die Atlantier das Gedächtnis und alles, was damit zusammenhängt, zur besonderen Entfaltung brachten, obliegt es in der Gegenwart den Ariern, die Denkkraft und das, was zu ihr gehört, zu entwickeln.
(GA-11)
Die Relativierung, es ginge lediglich um einzelne Vorträge unter vielen, unterschlägt, dass R. Steiner selber zu Beginn eines solchen problematischen Vortrags sagte, welch große und aktuelle Bedeutung seinen folgenden Ausführungen zukomme:
Nun haben wir aber außer dieser europäischen Hautfarbe noch vier hauptsächliche andere Hautfarben. Und das wollen wir heute ein bißchen betrachten, weil man eigentlich die ganze Geschichte und das ganze soziale Leben, auch das heutige soziale Leben nur versteht, wenn man auf die Rasseneigentümlichkeiten der Menschen eingehen kann. Und dann kann man ja auch erst im richtigen Sinne alles Geistige verstehen, wenn man sich zuerst damit beschäftigt, wie dieses Geistige im Menschen gerade durch die Hautfarbe hindurch wirkt.
(GA-349)
Mit der Behauptung, die Passagen würden lediglich abwertend „klingen“, wird suggeriert, sie seien gar nicht wirklich abwertend. Im folgenden Text werden sich jedoch zahlreiche Beispiele finden, welche auch unter genauerer Betrachtung abwertend bleiben.
Der Vergleich:
Und grundsätzlich war Steiner tatsächlich überzeugt, dass die einzelnen Völker und Kulturen Blütezeiten und Niedergänge erleben, dass sie durchaus unterschiedliche Dispositionen haben und im Lauf der Menschheitsgeschichte entsprechend unterschiedliche Beiträge leisten können, etwa wie Stimmen in einem Konzert. Heute gilt eine solche Sichtweise weithin als politisch unkorrekt und potentiell diskriminierend. Er selbst hielt sie schlicht für realistisch und wandte sich schon damals gegen das, was er als leere Gleichheitsvorstellungen wahrnahm, „Abstraktionen“, wie er oft sagte.
ist unzutreffend. Denn im Gegensatz zum angeblichen Schicksal, welches R. Steiner den Malaien zuschrieb, entstehen die Unterschiede von Konzertstimmen nicht durch ein „unbrauchbar“ werden und Absterben mancher Musizierender bei veränderten Lichtverhältnissen.
Auch gilt es heutzutage nicht als diskriminierend, Unterschiede zu benennen. R. Steiners Behauptungen gehen allerdings weit darüber hinaus und sind auf- bzw. abwertend in Bezug auf bestimmte Völker und Kulturen. Zusätzlich dichtete er Menschen in fernen Gegenden erfundene Eigenarten an. Das ist das Gegenteil einer realistischen Sichtweise.
Überall nimmt er Licht und Wärme auf, überall. Das verarbeitet er in sich selber. Da muß etwas da sein, was ihm hilft bei diesem Verarbeiten. Nun, sehen Sie, das, was ihm da hilft beim Verarbeiten, das ist namentlich sein Hinterhirn. Beim Neger ist daher das Hinterhirn besonders ausgebildet. Das geht durch das Rückenmark. Und das kann alles das, was da im Menschen drinnen ist an Licht und Wärme, verarbeiten. Daher ist beim Neger namentlich alles das, was mit dem Körper und mit dem Stoffwechsel zusammenhängt, lebhaft ausgebildet. Er hat, wie man sagt, ein starkes Triebleben, Instinktleben. Der Neger hat also ein starkes Triebleben. Und weil er eigentlich das Sonnige, Licht und Wärme, da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn in seinem Innern von der Sonne selber gekocht würde. Daher kommt sein Triebleben. Im Neger wird da drinnen fortwährend richtig gekocht, und dasjenige, was dieses Feuer schürt, das ist das Hinterhirn.
[…]
Wenn Sie je einem Japaner begegnet sind, so werden Sie bemerkt haben, wie der auf seine Atmung achtet. Wenn er mit Ihnen redet, hält er sich immer zurück, daß die Atmung so recht in Ordnung ist. Er hat ein gewisses Wohlgefühl an der Atmung. Da ist es also so, daß da drinnen im Innern schon weniger verarbeitet wird. Da wird hauptsächlich in der Brust alles verarbeitet. Und das bewirkt, daß der gelbe Mensch nicht sein Hinterhirn so stark ausbildet, sondern das Mittelhirn. Da hat er das, was seine Atmung und seine Blutzirkulation versorgt. Er lebt also doch ziemlich im Innern, der gelbe Asiate. Sie können das auch seinem Gang anmerken; er hat einen mehr lässigen Gang. Er arbeitet nicht so stark mit den Gliedmaßen und dem Stoffwechsel. Der Neger ist viel mehr auf Rennen und auf die äußere Bewegung aus, die von den Trieben beherrscht ist. Der Asiate, der Gelbe, der entwickelt mehr ein innerliches Traumleben, daher die ganze asiatische Zivilisation dieses Träumerische hat. Also er ist nicht mehr so in sich bloß lebend, sondern er nimmt schon vom Weltenall etwas auf. Und daher kommt es, daß die Asiaten so wunderschöne Dichtungen über das ganze Weltenall haben. Der Neger hat das nicht. Der nimmt alles in seinen Stoffwechsel herein und eigentlich verdaut er nur das Weltenall. Der Asiate eratmet es sich, hat es in seiner Blutzirkulation. Daher kann er es auch in Worten von sich geben. Denn die Sprache ist ja auch nur eine umgestaltete Atmung. Ja, es sind schöne, wunderschöne Gedichte. Es sind überhaupt innerliche Menschen. Der Asiate verachtet den Europäer heute, weil er sagt: Das sind äußerliche Menschen. – Wir werden gleich sehen, warum. Das also ist die gelbe Rasse, und sie hängt so zusammen mit der Farbe, wie ich es Ihnen gesagt habe.
Nun, meine Herren, betrachten wir uns selber in Europa. Wir sind in der Tat dem Weltenall gegenüber eine weiße Rasse, denn wir werfen alles äußere Licht zurück. Wir werfen alles äußere Licht und im Grunde genommen auch alle Wärme zurück. Die Wärme muß schon ganz mächtig werden, wenn wir sie in uns aufnehmen wollen. Und wenn sie nicht da ist, so verkümmern wir, wie es sich an den Eskimos zeigt.
[…]
Also diese braunen Malaien sind ausgewanderte Mongolen, die sich aber jetzt, weil die Sonne anders auf sie wirkt, angewöhnen, mehr Licht und mehr Wärme aufzunehmen. Bedenken Sie aber, daß sie nicht die Natur dazu haben. Sie haben sich schon angewöhnt, sogar ein solches Knochengerüste zu haben, daß sie nur einen bestimmten Grad von Wärme aufnehmen können. Sie haben nicht die Natur, so viel Wärme aufzunehmen, als sie jetzt als Malaien aufnehmen. Die Folge davon ist, daß sie anfangen, unbrauchbare Menschen zu werden, daß sie anfangen, Menschen zu werden, die am Menschenkörper zerbröckeln, deren Körper abstirbt. Das ist in der Tat bei der malaiischen Bevölkerung der Fall. Die stirbt an der Sonne. Die stirbt an der östlichkeit. So daß man sagen kann: Während die Gelben, die Mongolen, noch Menschen in der Vollkraft sind, sind die Malaien schon eine absterbende Rasse. Sie sterben ab.
Wenn die Neger – was sie allerdings heute weniger tun können, heute sind die Verhältnisse schon anders, aber in Urzeiten war das schon so, wie ich es erzähle – nach dem Westen hinüberwandern – eine Schifffahrt hat es ja immer gegeben, und es waren ja außerdem durch den ganzen Atlantischen Ozean noch Inseln, der Atlantische Ozean war ja früher auch ein Kontinent –, also wenn die Schwarzen nach dem Westen auswandern, da können sie nicht mehr so viel Licht und Wärme aufnehmen wie in ihrem Afrika. Da kommt ihnen weniger Licht und Wärme zu. Was ist die Folge? Ja, ihre Natur ist eingerichtet darauf, so viel als möglich Licht und Wärme aufzunehmen. Ihre Natur ist eigentlich eingerichtet, dadurch schwarz zu werden. Jetzt kriegen sie nicht so viel Licht und Wärme, als sie brauchen, um schwarz zu werden. Daher werden sie kupferrot, werden Indianer. Das kommt davon her, weil sie gezwungen sind, etwas von Licht und Wärme zurückzuwerfen. Das glänzt dann so kupferrot. Das Kupfer ist selber ein Körper, der Licht und Wärme so ein bißchen zurückwerfen muß. Das können sie nicht aushalten. Daher sterben sie als Indianer im Westen aus, sind wiederum eine untergehende Rasse, sterben an ihrer eigenen Natur, die zu wenig Licht und Wärme bekommt, sterben an dem Irdischen. Das Irdische ihrer Natur ist ja ihr Triebleben. Das können sie nicht mehr ordentlich ausbilden, während sie noch starke Knochen kriegen. Weil viel Asche hineingeht in ihre Knochen, können diese Indianer diese Asche nicht mehr aushalten. Die Knochen werden furchtbar stark, aber so stark, daß der ganze Mensch an seinen Knochen zugrunde geht.
Sehen Sie, so hat sich die Sache entwickelt, daß diese fünf Rassen entstanden sind. Man möchte sagen, in der Mitte schwarz, gelb, weiß, und als ein Seitentrieb des Schwarzen das Kupferrote, und als ein Seitenzweig des Gelben das Braune – das sind immer die aussterbenden Teile.
Die Weißen sind eigentlich diejenigen, die das Menschliche in sich entwickeln. Daher sind sie auf sich selber angewiesen. Wenn sie auswandern, so nehmen sie die Eigentümlichkeiten der anderen Gegenden etwas an, doch sie gehen, nicht als Rasse, sondern mehr als einzelne Menschen, zugrunde. Aber sie tun dafür noch etwas anderes. Sehen Sie, alles dasjenige, was ich Ihnen jetzt geschildert habe, das sind ja die Dinge, die im Leibe des Menschen vor sich gehen. Die Seele und der Geist sind mehr unabhängig davon. Daher kann der Europäer, weil ihn Seele und Geist am meisten in Anspruch nimmt, Seele und Geist am meisten verarbeiten. Der kann es am ehesten vertragen, in verschiedene Erdteile zu gehen.
(GA-349)
Die Behauptung:
Zu ergänzen ist, dass Steiner immer und von Grund auf vom Individuum her dachte, dass er also – bei allem Interesse an ethnischen und kulturellen Unterschieden – niemals einzelne Menschen auf solche Kategorien festlegte, so wie es für Rassisten damals und heute typisch ist.
ist falsch. R. Steiner hat zwar etwas andere Kategorien formuliert als manch andere seiner Zeitgenossen, dann aber einzelne Menschen auf diese Kategorien festgelegt und ihnen ausdrücklich kognitive Fähigkeiten abgesprochen:
So wird gewürfelt von dem heutigen Welt-Ungeist, daß die Slowaken früher mit den Magyaren, jetzt mit den Tschechen zusammengeworfen werden. So wird überhaupt heute gewürfelt. Das drückt sich auch in den tiefergehenden Symptomen aus, darin zum Beispiel, daß ein wirklich bedeutender Mensch wie Masaryk, der an der Spitze der Tschechoslowakischen Republik steht, eigentlich Slowake ist, nicht Tscheche. Aber wer Masaryk kennt, weiß, daß er eben ein Regenbogenmensch ist, der gar nicht denken kann. Man lese seine Bücher und man wird sehen: In seinen Büchern denkt die Zeit. Er ist ein Regenbogenmensch, ein echter Slowake.
Man muß nach diesen Kategorien die Menschen der Gegenwart schon anschauen können, um zu sehen, welches Zufallswürfelspiel eigentlich getrieben wird, das natürlich im Weltenkarma schon begründet ist.
(GA-346)
Keely und Tolstoi legte R. Steiner auf seine Kategorien der „Zukunftskultur im Westen“ und „der geistigen Senilität des Ostens“ fest. Dass er ausgerechnet Keely anführte, ist dabei fast schon wieder lustig.
Sein Vorblick auf „das reine Menschsein, zu gleicher Zeit in uns tragend den Osten, die Mitte und den Westen“ enthält dabei weiterhin seine einseitige Charakterisierung dieser Gebiete und der Menschen, welche er als unvollständig darstellt, solange sie nicht ihr Denken „erheben“ würden:
Dagegen sehen wir, wie im Osten das alte Geistige immer mehr und mehr in die Dekadenz, in den Verfall, in den Zustand des Faulens kommt. Wir erleben im Osten durchaus so etwas, daß man sagen kann: Senil ist geworden der einstmals himmlisch-geistige Mensch für die Anschauung; senil, greisenhaft ist er geworden. Er versteht noch nicht dasjenige, was auf der Erde ist, was ja auch den Menschen umkleidet. Während man im Westen nur dieses Irdische versteht, versteht man im Osten nichts davon. Daher ist das Himmlische schon ganz senil, ganz greisenhaft geworden. Es ist daher immer ein großer Fehler, wenn man auf der einen Seite nicht aufmerksam ist, wie aus dem Mechanismus, dem mechanistischen Materialismus des Westens erst das Geistige herausgewonnen werden muß, wie aus der Naturwissenschaft, die auch noch ganz materialistisch-westlich ist, der Geist herausintuitiert werden muß. Und es ist ein ebenso großer Fehler, wenn man nach dem Osten hinschielt und etwa heute noch, wie es einstmals oder auch noch heute die theosophische Adyar-Gesellschaft mit ihren Antiquiertheiten tut, Spirituelles aus dem Osten nach dem Westen tragen will. Wenn man hinüberschaut nach dem Osten, dann hat man es bei allem, was man da findet, mit nichts Gegenwartslebendigem zu tun, sondern mit etwas, was alt geworden ist, was man studieren muß als ein geschichtlich Altgewordenes, was für die Gegenwart keine Bedeutung mehr hat.
Ebenso wie wir, ich möchte sagen, als einen noch ganz groben, brutalen mechanistischen Vorläufer einer Zukunftskultur im Westen Keely haben mit seinem Motor, haben wir als den äußersten Ausläufer der geistigen Senilität des Ostens Tolstoj. In Tolstoj sehen wir, wie gewissermaßen konzentriert auftritt dasjenige, was einstmals groß war und was jetzt in der völligen Dekadenz ist, was ein interessantes Phänomen ist, aber für uns nicht die geringste Gegenwartsbedeutung hat. So wie vieles ausgelöscht worden ist mit den Ereignissen seit dem Jahre 1914, so ist ausgelöscht dasjenige, was ein letztes Aufflackern der östlichen Senilität in Tolstoj war. Vor dem Kriege konnte man noch von Tolstoj als von etwas Gegenwärtigem sprechen. Mit dem Kriege ist das vorüber. Das hat keine Gegenwartsbedeutung. Es ist etwas durchaus Antiquiertes, heute von Tolstoj als von irgend etwas zu sprechen, was eine Gegenwartsbedeutung hat. Und man muß sich hüten vor jeder Art des Hinüberschielens nach dem Osten, nach dem alten Osten und auch nach dem, was in einer gewissen Art des Senilwerdens noch zum letzten Mal in einem Menschen wie Tolstoj sich konzentriert hat. Wir müssen ganz auf dem Boden derjenigen Mission stehen, die die Mission der Gegenwart ist. Und das können wir nur, wenn wir aus den eigenen Fundamenten heraus den Impuls von der Dreigliederung des sozialen Organismus begreifen. Gewissermaßen um ein weltgeschichtliches Symbolum hinzustellen, oder auch als ein Symptom, hat der verfaulende Osten zuletzt in einer, man möchte sagen, innerlich strebsamen, aber doch ohnmächtigen Weise wie seinen letzten Ausläufer noch Tolstoj hingestellt, wie der Westen als einen ersten Vorläufer den Keely mit seinem Motor hingestellt hat. Während Tolstoj ausdrückt das vollständige Luziferischwerden der alten orientalischen Kultur, steht die westliche Kultur noch ganz im Zeichen des Ahrimanischen.
Das ist dasjenige, was in der Gegenwart erfaßt werden muß. Und ohne zu erfassen, wie wir auf der einen Seite uns zu hüten haben vor dem, was von Osten noch herüberragt von der Vergangenheit, auch in einem lebendigen Menschen noch als Vergangenheit herüberragt, und auf der andern Seite uns zu hüten haben vor dem, was im Westen erst im Aufgange ist, ohne daß man das durchschaut, ist man kein Mensch der Gegenwart. Selbstverständlich kann ein Mensch der Gegenwart Engländer, Franzose, Amerikaner, er kann Russe sein, denn das Menschentum muß heute über die geographischen Sphären hinübergehen. Aber wir müssen diese alten Begrenzungen nehmen, weil sie eine Bedeutung haben für den historischen Werdegang der Menschheit. Hinter uns liegt dasjenige, worin die Menschheitsgeschichte sich dreigliedert: Orient, Mitte, Westen. Vor uns liegt – und anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft soll das so scharf wie möglich betonen – das reine Menschsein, zu gleicher Zeit in uns tragend den Osten, die Mitte und den Westen. Der Mensch, der heute als ein lebendiger Mensch, auch als Asiate, geboren wird, kann alle drei in sich tragen. Der Mensch der Mitte braucht sich nicht zu beschränken, bloß die Mitte in sich zu tragen, sondern er muß den historischen Osten als etwas in Dekadenz Befindliches, den historischen Westen als etwas im Aufsteigen Befindliches in sich erleben. Ebenso kann der amerikanische Mensch, wenn er durch die Betrachtung der Mysterienweisheit – und er ist am meisten darauf angewiesen – erheben will sein bloß wirtschaftliches Denken zu einem Denken, das politisch, das geistig ist, Osten, Mitte und Westen in sich tragen.
Das ist dasjenige, was man heute sagen muß, wenn man die Aufgaben bezeichnen will, die der Mensch als seine innersten Seelenaufgaben erkennen soll aus den großen Notwendigkeiten der Zeit heraus.
(GA-197)
Davon abgesehen ist die Bemerkung: „wie es für Rassisten damals und heute typisch ist“ ein Scheinargument, in welchem eine Abweichung von “typischen Rassisten” als Widerlegung von Rassismus gehandelt wird.
Die Behauptung:
Denn eines der Hauptthemen von Steiner ist die bewusste Emanzipation des einzelnen Menschen aus seinen Prägungen durch Abstammung und Sozialisation.
ist irreführend, da bereits R. Steiners Aussagen über Prägungen und Abstammung rassistisch sind:
Es gab Menschen, die gerade recht waren in bezug auf ihre Innerlichkeit, gerade normal, die den Egoismus nicht auf eine zu starke Höhe gebracht und auch das Ich-Gefühl nicht nur auf eine niedere Art ausgebildet hatten. Bei ihnen hielten sich die Hingabe an die Außenwelt und das Ich-Gefühl die Waage. Solche Leute waren überall verstreut. Das waren aber diejenigen, mit denen die atlantischen Eingeweihten am meisten machen konnten. Dagegen gab es andere Menschen, bei denen ein furchtbar starkes Ich-Gefühl ausgebildet war, viel zu früh natürlich; denn die Menschen waren noch nicht so weit, daß sie in ihrem Körper ein Instrument bilden konnten für ein stark ausgebildetes Ich-Gefühl. Der Körper wurde dadurch sozusagen in Egoität verhärtet, es war ihm unmöglich, sich über einen gewissen Grad hinaus zu entwickeln. Andere Völker wieder waren nicht bis zu einem gewissen normalen Ich-Gefühl gekommen, weil sie in einem höheren Grade von der Außenwelt beeinflußbar waren, als sie es hätten sein sollen, Völker, die ganz hingegeben waren an die Außenwelt. Also die Normalmenschen waren für die Eingeweihten am besten zu brauchen als Material für die Zukunftsentwickelung, und sie waren auch diejenigen, welche der große Sonnen-Eingeweihte, der Manu, um sich sammelte als das entwickelungsfähigste Volk. Diejenigen Völker, bei denen der Ich-Trieb zu stark entwickelt war und von innen heraus den ganzen Menschen durchdrang und ihm die Ichheit, die Egoität aufprägte, die wanderten allmählich nach Westen, und das wurde die Bevölkerung, die in ihren letzten Resten auftritt als die indianische Bevölkerung Amerikas. Die Menschen, welche ihr Ich-Gefühl zu gering ausgebildet hatten, wanderten nach dem Osten, und die übriggebliebenen Reste von diesen Menschen sind die nachherige Negerbevölkerung Afrikas geworden. Bis in die körperlichen Eigenschaften hinein tritt das zutage, wenn man die Dinge wirklich geisteswissenschaftlich betrachtet. Wenn der Mensch sein Inneres ganz ausprägt in seiner Physiognomie, in seiner Körperoberfläche, dann durchdringt das gleichsam mit der Farbe der Innerlichkeit sein Äußeres. Die Farbe der Egoität ist aber die rote, die kupferrote oder auch die gelblichbraune Farbe. Daher kann tatsächlich eine zu starke Egoität, die von irgendeinem gekränkten Ehrgefühl herrührt, auch heute noch den Menschen von innen heraus sozusagen gelb vor Ärger machen. Das sind Erscheinungen, die durchaus miteinander zusammenhängen: die Kupferfarbe derjenigen Völker, die nach Westen hinübergewandert waren, und das Gelb bei dem Menschen, dem die «Galle überläuft», wie man sagt, dessen Inneres sich daher bis in seine Haut ausprägt. Diejenigen Menschen aber, die ihre Ich-Wesenheit zu schwach entwickelt hatten, die den Sonneneinwirkungen zu sehr ausgesetzt waren, sie waren wie Pflanzen: sie setzten unter ihrer Haut zuviel kohlenstoffartige Bestandteile ab und wurden schwarz. Daher sind die Neger schwarz. – So haben wir auf der einen Seite östlich von Atlantis in der schwarzen Negerbevölkerung, auf der andern Seite westlich von Atlantis in den kupferroten Völkern Überreste von solchen Menschen, die nicht in einem normalen Maße das Ich-Gefühl entwickelt hatten. Mit den Normalmenschen war am meisten zu machen. Sie wurden daher auch dazu ausersehen, von dem bekannten Orte in Asien aus die verschiedenen anderen Gebiete zu durchsetzen.
(GA-107)
Wenn man sich über Gesundheit und Krankheit informieren will, so muß man allerdings bedenken, daß da viele Dinge zusammenwirken. Die Ursachen von Krankheiten brauchen nicht bloß im Einzelkarma zu liegen. Es gibt auch in bezug auf Krankheiten ein Volkskarma. Das kann ein Beispiel lehren, das man beobachtet hat. Dieser Fall betrifft gewisse Gesundheitsverhältnisse der Rassen und ganzer Völker. Wir alle kennen die Völkerwanderung und deren Geschichte. Wir wissen, daß damals von Osten her verschiedene Stämme, die Hunnen, Mongolen, sich aufmachten und nach Europa kamen. Sie ergossen sich von Asien her über das Land und stießen mit den Germanen zusammen. Diese Hunnen, wie überhaupt die mongolische Rasse, waren Nachzügler der Atlantier – darauf deutet schon der Name Attila oder Atli –, Zurückgebliebene dieser großen Rasse. Während die Germanen, Perser und Inder die vorgeschritteneren Rassen repräsentierten, waren die Mongolen, die auf einer bestimmten Stufe stehengebliebenen Atlantier, im Verfall. Während der große Menschheitsstrom sich nach vorwärts entwickelt, bleiben solche einzelnen niederen Völkerrassen zurück und gliedern sich ab. Die Astralleiber dieser zurückgebliebenen Rassen tragen nun astralische Verwesungsstoffe in sich. Natürlich kamen solche in großen Mengen mit zu uns herüber. Die Europäer gerieten in Furcht und Schrecken durch diese anstürmenden Massen, und durch diese Furcht und den Schrecken, den sie empfanden, gediehen die astralischen Verwesungsstoffe noch besser, denn Furcht und Schrecken sind Eigenschaften des Astralleibes, die günstig auf das Gedeihen dieser schädlichen Einflüsse wirken. Die europäischen Astralleiber wurden infiziert, und diese Infektion zeigte sich in den späteren Generationen als Aussatz, jene schreckliche Krankheit, die solche Verheerungen im Mittelalter anrichtete. Dies war die physische Folge des Einflusses der mongolischen Astralleiber auf die europäischen, und der Leitungsstrom gewissermaßen, auf dem dieser Einfluß sich in die europäischen Leiber ergoß, war die Furcht und der Schrecken, der die Germanen erfüllte vor den verheerenden Scharen, die ihr Land überfluteten. Man sieht, wie hier Krankheiten im Volkskarma entstehen, und wie diese sich von Generation auf Generation vererben. Die Vorfahren erlebten geistig die Krankheit, und sie ging bei den späteren Generationen ins Physische über. So und nicht anders ist auch der Bibelspruch gemeint: «Die Sünden der Väter suche ich heim an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied.» Wir können dies ganz wörtlich nehmen. Es ist damit diese Art von Volkskarma gemeint.
(GA-97)
Bei den Themen Entwicklung sowie Emanzipation aus den Prägungen löste R. Steiner diesen Rassismus nicht auf, sondern betonte ihn nochmals. Die folgende Passage ist aus dem Buch „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“. Wie bereits anfangs erwähnt, finden sich solche Textstellen nicht bloß in R. Steiners Vorträgen, sondern auch in seinen Schriften.
Der Grad der Verstricktheit mit der physisch-sinnlichen Natur wird dem Menschen durch den «Hüter der Schwelle» anschaulich. Diese Verstricktheit drückt sich zunächst in dem Vorhandensein der Instinkte, Triebe, Begierden, egoistischen Wünsche, in allen Formen des Eigennutzes usw. aus. Sie kommt dann in der Angehörigkeit zu einer Rasse, einem Volke usw. zum Ausdruck. Denn Völker und Rassen sind nur die verschiedenen Entwickelungsstufen zur reinen Menschheit hin. Es steht eine Rasse, ein Volk um so höher, je vollkommener ihre Angehörigen den reinen, idealen Menschheitstypus zum Ausdrucke bringen, je mehr sie sich von dem physisch Vergänglichen zu dem übersinnlich Unvergänglichen durchgearbeitet haben. Die Entwickelung des Menschen durch die Wiederverkörperungen in immer höher stehenden Volks- und Rassenformen ist daher ein Befreiungsprozeß. Zuletzt muß der Mensch in seiner harmonischen Vollkommenheit erscheinen. – In einer ähnlichen Art ist der Durchgang durch immer reinere sittliche und religiöse Anschauungsformen eine Vervollkommnung. Denn jede sittliche Stufe enthält noch die Sucht nach dem Vergänglichen neben den idealistischen Zukunftskeimen.
(GA-10)
Mit seiner folgenden Aussage bezeichnete R. Steiner ein weiteres Mal Indigene als unentwickelt und verwendete dabei eine auch damals schon abwertend konnotierte Bezeichnung. Zusätzlich wird durch seinen Vergleich sehr fraglich, ob er eine „bewusste Emanzipation des einzelnen Menschen aus seinen Prägungen durch Abstammung und Sozialisation“ für alle Menschen gleichermaßen in Betracht zog. Denn er verglich die Seelen einer ganzen Bevölkerungsgruppe mit blinden und tauben „Wesenheiten“, deren Einschränkungen ziemlich konstant bleiben dürften:
Wer mit offenem Geistesauge die Entwickelung der Menschheit verfolgt, der weiß, daß es innerhalb des Geisteslebens der Menschheit ebenso eine Entwickelung gibt wie innerhalb der physischen Natur. So wie es innerhalb der physischen Natur Wesenheiten gibt, die im Dunklen tappen, und andere, die im Dunklen tappen und außerdem hören und so weiter, so gibt es auch im geistigen Leben alle Abstufungen zwischen der unentwickelten Seele eines Hottentotten und der Genie-Seele eines Goethe oder Newton. Wir sehen also, welch gewaltige Unterschiede bestehen, sowohl in der Abstufung der Sinnesentwickelung als auch in der Skala der Geistesentwickelung.
(GA-52)
Die Behauptung:
Zu ergänzen ist außerdem, dass Steiners Reinkarnationsdenken schlecht zu einem rassistischen Weltbild passt. Der Gedanke, zu anderen Zeiten in anderen Völkern verkörpert zu sein, wäre einem Rassisten ein Gräuel.
ist gleich in mehrerer Hinsicht falsch:
• Vielen Reinkarnationstheorien liegt eine Entwicklungstheorie und die Ablehnung der unteren „Entwicklungsstufen“ zugrunde. Dabei wird beispielsweise die Wiedergeburt als Tier nicht als gleichwertig angesehen, sondern als Rückschritt, den es zu vermeiden gilt (mit anderen Worten: „ein Gräuel“). In R. Steiners Reinkarnationstheorie dagegen sind es „Völker und Rassen“, welche „die verschiedenen Entwickelungsstufen zur reinen Menschheit“ bilden. Dadurch ist sein Reinkarnationsdenken von Grund auf rassistisch:
Denn Völker und Rassen sind nur die verschiedenen Entwickelungsstufen zur reinen Menschheit hin. Es steht eine Rasse, ein Volk um so höher, je vollkommener ihre Angehörigen den reinen, idealen Menschheitstypus zum Ausdrucke bringen, je mehr sie sich von dem physisch Vergänglichen zu dem übersinnlich Unvergänglichen durchgearbeitet haben. Die Entwickelung des Menschen durch die Wiederverkörperungen in immer höher stehenden Volks- und Rassenformen ist daher ein Befreiungsprozeß. Zuletzt muß der Mensch in seiner harmonischen Vollkommenheit erscheinen.
(GA-10)
Ein interessanter Fall, wie eigentümlich die Dinge im geistigen Leben zusammenhängen, ist die Einwanderung der Hunnen und der Mongolenstämme, die sich von Asien her nach dem Westen ergossen. Diese Völkerschaften, die Mongolen, waren Nachzügler der Atlantier. Während die Inder und Germanen und andere sich weiter aufwärtsentwickelten, waren die Mongolen die auf einer gewissen Stufe stehengebliebenen Brüder. Geradeso wie sich auf der Entwickelungsbahn des Menschen die Tiere abgegliedert haben, so gliedern sich auch niedrigere Völker und Rassen ab. Diese Völkerschaften, die Mongolen, waren zurückgebliebene Atlantier, die sich physisch hinunterentwickelten. Im Astralleib solcher zurückgebliebener Menschen sieht man reichliche astralische Verwesungsstoffe. Die Mongolen stießen auf die Germanen und auf die andern mitteleuropäischen Völker, die von Furcht und Schrecken ergriffen wurden. Furcht und Schrecken sind aber Eigenschaften des Astralleibes; in ihnen gedeihen vorzüglich solche astrale Verwesungsstoffe. So wurden die europäischen Astralleiber infiziert, und diese Infektion kam dann in den späteren Generationen im physischen Leibe heraus, aber nicht für das Individuum, sondern für ganze Völkerschaften. Das war der Aussatz, die Miselsucht, die schreckliche Krankheit, die im Mittelalter solche Verheerungen anrichtete. Diese Krankheit war die physische Folge des Einflusses auf den Astralleib.
Die philologische Forschung können Sie hier nicht zu Rate ziehen, weil sie von diesen astralischen Einflüssen nichts weiß. Aber schon in den Namen können Sie Hinweise finden für die Abstammung von der alten atlantischen Rasse: Attila, der Hunnenführer, heißt in der nordischen Sprache Atli, das heißt einer, der von den Atlantiern abstammt.
(GA-95)
Bequemen wir uns doch, für den Geist als billig hinzunehmen, was uns der Natur gegenüber als recht erscheint. Soll der vollkommene Geist ebensolche Voraussetzungen haben wie der unvollkommene? Soll Goethe die gleichen Bedingungen haben wie ein beliebiger Hottentotte? So wenig wie ein Fisch die gleichen Voraussetzungen hat wie ein Affe, so wenig hat der Goethesche Geist dieselben geistigen Vorbedingungen wie der des Wilden. Die geistige Ahnenschaft des Goetheschen Geistes ist eine andere als die des wilden Geistes. Geworden ist der Geist wie der Leib. Der Geist in Goethe hat mehr Vorfahren als der in dem Wilden. Man nehme die Lehre von der Wiederverkörperung in diesem Sinne. Man wird sie dann nicht mehr «unwissenschaftlich» finden. Aber man wird in der rechten Weise deuten, was man in der Seele findet. Man wird das Gegebene nicht als Wunder hinnehmen.
(GA-8)
• Laut R. Steiner sind Reinkarnation sowie angebliche Zustände zwischen den Inkarnationen sogar der Grund für Hass auf andere Nationen:
Nun ist in dem Vortragszyklus über die Volksseelen gezeigt, wie das, was als Seelenglieder in uns vorhanden ist – Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele, Bewusstseinsseele, Ich und Geistselbst – verteilt ist auf die europäischen Nationen; wie jede Nationalität im Grunde genommen eine Einseitigkeit repräsentiert. Und weiter ist dort ausgesprochen, dass so, wie die einzelnen Seelenglieder in uns selbst zusammenzuwirken haben, so haben in Wahrheit die einzelnen Nationalitäten zusammenzuwirken zu der gesamteuropäischen Seele. Wenn wir auf die italienische, auf die spanische Halbinsel hinblicken, so finden wir, dass dort das Nationale sich auslebt als Empfindungsseele. In Frankreich lebt es sich aus als Verstandes- oder Gemütsseele.
Wenn wir auf die britischen Inseln gehen, so sehen wir, wie es sich als Bewusstseinsseele auslebt. In Mitteleuropa lebt sich das Nationale aus als Ich. Und wenn wir nach dem Osten hinüberblicken, so ist dies die Gegend, wo es sich auslebt – obwohl der Ausdruck nicht ganz richtig ist, wie wir nachher sehen werden – als Geistselbst. Was sich so auslebt, steht im Nationalen darinnen. Aber das, was im Menschen das Ewige ist, das geht über das Nationale hinaus, das sucht der Mensch, wenn er sich geistig vertieft. Dem gegenüber ist das Nationale nur ein Kleid, eine Hülle, und der Mensch erhebt sich um so höher, je mehr er sich zu dieser Einsicht durchringen kann. Insofern aber der Mensch in der physischen Welt lebt, lebt er eben in der nationalen Hülle, in dem, was seiner äußeren Leiblichkeit die Konfiguration gibt, was im Grunde genommen auch gewissen Eigenschaften, Charaktereigentümlichkeiten seiner Seele die Konfiguration gibt.
Und nun sehen wir in Abneigung, in Haß die Angehörigen der verschiedenen Nationalitäten gegeneinander. Ich spreche jetzt nicht von dem, was im Waffenkampfe vor sich geht. Ich spreche von dem, was in den Gefühlen, in den Leidenschaften der Menschenseelen vor sich geht. Da haben wir eine Seele: die hat sich darauf vorzubereiten, nun empfangen zu werden von einer geistigen Welt, durch welche sie nun zwischen dem Tode und der nächsten Geburt durchzugehen hat, und welche sie führen wird zu einer Inkarnation, die einer ganz anderen Nationalität angehören wird als der, welche sie verläßt. Gerade an dieser Tatsache sehen wir am besten, am klarsten, am stärksten, wie sich der Mensch gegen das sträubt, was sein eigenes höheres Selbst in ihm ist. Blicken wir heute auf irgendeinen «Nationalen», auf einen national Fühlenden, der insbesondere seine Antipathie gegen die Angehörigen einer anderen Nationalität wendet, vielleicht sogar in seinem Lande gegen diese andere Nationalität wütet: was bedeutet dieses Wüten, diese Antipathie? Es bedeutet das Vorgefühl: in dieser Nationalität wird meine nächste Verkörperung sein! Schon ist im Unterbewussten das höhere Selbst verbunden mit der anderen Nationalität. Gegen dieses höhere Selbst sträubt sich das, was auf dem physischen Plan eingesponnen ist in die Nationalitäten des physischen Planes. Das ist das Wüten der Menschen gegen ihr eigenes höheres Selbst. Und wo dieses Wüten am stärksten ist, wo am meisten gehaßt und gelogen wird über andere Nationalitäten, da ist für den, der die Sachen nicht mit Maja, sondern mit Wahrheit ansieht, der wahre Grund dafür der, dass bei den Angehörigen jener Nation, die gegen eine andere am meisten wütet, am grausamsten sich benimmt und am meisten lügt, die Tatsache vorliegt, dass ein großer Teil ihrer Angehörigen mit der nächsten Inkarnation überzugehen hat in jene andere Nationalität.
Das ist der Ernst unserer Lehre, das ist die sittliche Würde, die dahintersteckt. Vieles im Menschen sträubt sich gegen die Anerkennung seines höheren Selbstes, seines Ewigen; vieles, unendlich vieles. Daher ist es in der Gegenwart ungeheuer schwierig, objektiv zu reden.
(GA-157)
Okkulte Beobachtungen haben ergeben, daß unter den astralen Wesen, die in dem Japanisch-Russischen Kriege an den einzelnen Schlachten teilnahmen, verstorbene Russen sich befanden, die gegen ihr eigenes Volk wirkten. Das kommt daher, daß in den letzten Zeiten der russischen Volksentwickelung viele edle Idealisten durch Kerker und Schafott zugrunde gingen. Es waren Menschen von hohen Idealen, doch nicht so weit entwickelt, daß sie verzeihen konnten. Sie gingen in den Tod mit einem starken Rachegefühl gegen diejenigen, die ihren Tod verursacht hatten. Das mußte sich ausleben in ihrer Kamaloka-Zeit, denn dort allein leben sich solche Rachegefühle aus. Nach ihrem Tode erfüllten sie vom Astralplan aus die Seelen der kämpfenden Japaner mit Haß und Rachegefühlen gegen das Volk, dem sie selbst angehört hatten. Wären sie schon im Devachan gewesen, dann würden sie gesagt haben: Ich verzeihe meinen Feinden! – Denn im Devachan würden sie in den ihnen von außen entgegentretenden Haß- und Rachewolken erkannt haben, wie furchtbar und wie ihrer unwürdig solche Gefühle sind. So zeigt uns die okkulte Forschung, wie ganze Völker unter dem Einflusse ihrer Vorfahren stehen.
(GA-99)
• Darüber hinaus beinhaltet R. Steiners Reinkarnationstheorie eine Ausnahme für sein mitteleuropäisches Publikum:
Es ist überhaupt sehr selten der Fall – selten sage ich, es braucht aber darum nicht immer so zu sein –, dass eine Seele aufeinanderfolgend in mehreren Inkarnationen etwa derselben Erdengemeinschaft angehört. Die Seelen gehen aus einer Erdengemeinschaft in die andere hinüber.
Aber ein Beispiel haben wir – ich sage das, ohne Sympathien oder Antipathien erregen zu wollen, noch um etwa jemandem schmeicheln zu wollen –, ein Beispiel haben wir, wo Seelen in der Tat mehrmals durch ein und dasselbe Volkstum durchgehen. Das ist der Fall beim mitteleuropäischen Volke. Dieses mitteleuropäische Volk hat viele Seelen, welche heute darin leben, und die auch früher innerhalb der germanischen Völker verkörpert waren. Solcher Tatsache können wir nachgehen. Wir können sie oftmals mit den Mitteln der okkulten Forschung, wie wir sie bis jetzt haben, gar nicht völlig erklären; aber sie steht da. Eine solche Tatsache, wie sie zum Beispiel im öffentlichen Vortrag am letzten Donnerstag «Die germanische Seele und der deutsche Geist» gezeigt wurde, bekommt Licht, wenn wir wissen, dass Seelen wiederholt innerhalb der mitteleuropäischen Volksgemeinschaft erscheinen.
(GA-157)
Teil 2
Nun die neue Antwort auf die Frage: „War Steiner Rassist?“
War Steiner Rassist?
In der Tat gibt es bei Steiner – sehr verstreut in seinem Werk – hässliche, abwertende Aussagen etwa über Afrikaner oder über die Ureinwohner Amerikas. Manche seiner Kritiker sehen die Gefahr solcher Wertungen schon in seinem Entwicklungsdenken angelegt. Tatsächlich ging Steiner davon aus, dass es im Entwicklungsgang der Menschheit eine Art Richtung gibt, dass einzelne Kulturen dabei zu gewissen Zeiten pionierhaft waren (etwa die indische, jüdische oder griechische), dass es aber auch kulturelle Niedergänge gibt, mitunter auch notwendige Verzögerungen oder produktive Seitenwege. Ein solches Geschichtsverständnis tendiert zweifellos zu Hierarchisierungen und zu Wertungen, im positiven wie im negativen Sinn. Letzteres zum Beispiel, wenn Steiner bestimmte Kulturen als dekadent oder überlebt bezeichnet. Verdächtig auch, dass er der europäischen, zumal der mitteleuropäischen Kultur für unsere Epoche eine besonders zukunftsweisende Rolle zuschreibt; in der nächsten Epoche werde diese Rolle der slawischen Kultur zufallen.
An sich war ein solches Denken in Kategorien von „Fortschritt“ und „Rückständigkeit“ gerade seit dem 19. Jahrhundert weit verbreitet. Man findet es in unterschiedlicher Form bei fast allen Autoren, von Karl Marx, der nationale Minderheiten wie Basken und Bretonen als „Völkerabfälle“ bezeichnete, bis zum vielbewunderten „Urwalddoktor“ Albert Schweitzer, der sehr herablassend über Afrikaner sprach. Allerdings, selbst wenn man – bei ihnen wie bei Steiner – zeitbedingte Vorurteile und Eurozentrismen ausblendet, bleibt eine Grundsatzfrage: Will man behaupten, dass im Prinzip alle Völker und Kulturen zu jeder Zeit in ihrer Entwicklung und Eigenart quasi synchron waren? Damit würde man in ein belangloses Alle-entwickeln-sich-irgendwie ausweichen. Oder versucht man die realen Abläufe in ihrer ganzen Vielfalt in Ort und Zeit sichtbar zu machen? Dann wäre von außerordentlichen historischen Phasen zu sprechen (das alte Ägypten, die italienische Renaissance …), aber auch von Stagnationen und fragwürdigen oder gar katastrophalen Entwicklungen. Um klare Wertungen und Zuordnungen wird man im Einzelfall ohnehin nicht herumkommen. Mit Recht würde niemand den Holocaust diffus der ganzen Menschheit zuschreiben – nein, er war ein Produkt der deutschen Geschichte.
Steiner ging es offenkundig um ein solches prozesshaftes, ins Einzelne gehendes Verständnis der Menschheitsentwicklung. Man kann sehr wohl manche seiner Aussagen dazu falsch und manche Wertungen indiskutabel finden und doch die Grundidee einer vielschichtigen, konturenreichen historisch-geistigen Geschichtserzählung teilen. Steiner war eben immer ein Denker des Konkreten. Er sah wohl auch eine epochale Lernaufgabe darin: Unterschiede nicht zu verwischen, sondern zu klären und die Dinge durch Erkenntnis in eine bessere Richtung zu führen.
Man kann sich dem Thema noch von einer anderen Seite nähern. Ein zentrales Ziel rassistischer Ideologien ist stets eine Ordnung der Menschheit nach ethnischen Maßstäben: Jede Gruppe, jedes Volk soll sozusagen „für sich“ bleiben. Charakteristisch für Steiner ist nun, dass er auch dieses Thema, wie eigentlich alles, entwicklungsmäßig fasst. So hätten Abstammungsgemeinschaften mit einer klaren Abgrenzung von Innen und Außen in frühen Menschheitsphasen ihre Bedeutung gehabt. Das drückte sich im Sozialen aus (Heirat möglichst in der eigenen Gruppe), aber auch im Geistigen: Jedes Volk hatte seine eigene Götterwelt. Schon die Universalreligionen wie das Christentum und der Islam erstrebten demgegenüber einen Übergang ins Menschheitliche (zumindest dem Anspruch nach wandten sie sich an jeden Menschen, unabhängig von Abstammung und Herkunft). In unserer Zeit schließlich gilt dies laut Steiner noch viel entschiedener: „Ein Mensch, der heute von dem Ideal von Rassen und Nationen und Stammeszugehörigkeiten spricht, der spricht von Niedergangsimpulsen der Menschheit.“
Man stößt hier auf ein gedankliches Leitmotiv bei Steiner: Etwas, das zu einer bestimmten Zeit richtig und angemessen war, kann ins Negative, Reaktionäre umschlagen, wenn seine Zeit vorbei ist. (Überhaupt fasst er negative Kräfte niemals statisch-absolut, sondern als etwas, das nur in Ort und Zeit fehlplatziert ist. Ein Notizbuch-Eintrag: „Es gibt kein Böses. Das Böse ist nur ein versetztes Gutes.“)
Anders gesagt: Für eine Gemeinschaftsbildung in unserer Epoche sollte nicht mehr die Herkunft bestimmend sein, auf die rassistische Ideologien fixiert sind, heute müssen andere Maximen in den Vordergrund treten. Steiner: „Die Menschheit mischt sich, um sich von geistigen Gesichtspunkten aus zu gruppieren.“ (Dies wäre wahrlich ein ungewöhnlicher Satz für einen Rassisten.)
Entsprechende Grundsätze galten und gelten selbstverständlich auch für die anthroposophische Bewegung selbst, in der nach Steiners Vorstellung Menschen ohne jeden Unterschied der Herkunft zusammenfinden sollten. Anders kann es letztlich auch nicht sein, angesichts der tiefen Orientierung der Anthroposophie am Individuum und seinen freien Entfaltungsmöglichkeiten. Die bewusste Emanzipation des einzelnen Menschen aus seinen Prägungen durch Abstammung und Sozialisation ist geradezu eines der Hauptthemen der Anthroposophie!
Insgesamt also: Ja, es gibt in Steiners Werk diskriminierende Äußerungen über bestimmte Kulturen und Völker. Man kann ganze Vortragszyklen von ihm lesen, ohne auf solche Stellen zu stoßen, aber es gibt sie. In seiner Grundstruktur aber, in seiner ganzen Anlage und Blickrichtung, ist Steiners Denken menschheitlich und human orientiert. Es hatte schon seinen Grund, dass völkische Gruppen immer wieder seine Vorträge störten und dass Hitler schon 1921 in einem Artikel im Völkischen Beobachter Steiner angriff.
Während im ursprüchlichen Text der Verfasser Wolfgang Müller die rassistischen Passagen in R. Steiners Werk noch mittels beeindruckender Zahlen kleinredete:
In der Tat findet man in einzelnen seiner etwa sechstausend Vorträge (ca. 89.000 Druckseiten) Passagen, etwa über Afrikaner oder „Indianer“, die klar abwertend klingen.
beschränkt er sich in seiner neuen Antwort auf folgende Betonungen:
In der Tat gibt es bei Steiner – sehr verstreut in seinem Werk – hässliche, abwertende Aussagen etwa über Afrikaner oder über die Ureinwohner Amerikas.
Man kann ganze Vortragszyklen von ihm lesen, ohne auf solche Stellen zu stoßen, aber es gibt sie.
Irrelevant ist jedoch beides. Denn zum Einen geht es weniger um die Anzahl solcher Passagen, als um ihre Art. Und zum Anderen ist es nichtssagend, die fraglichen Passagen ins Verhältnis zu R. Steiners Gesamtwerk zu setzen. Dazu gehören schließlich auch völlig andere Themen, beispielsweise die Landwirtschaft. Sie sollten, wenn überhaupt, in das Verhältnis zu den restlichen Passagen gesetzt werden, in welchen er sich zum selben Thema äußerte.
Aufschlussreicher ist letztlich jedoch, für wie relevant R. Steiner selber solche Stellen bezeichnete, wie zu Beginn bereits erläutert:
Nun haben wir aber außer dieser europäischen Hautfarbe noch vier hauptsächliche andere Hautfarben. Und das wollen wir heute ein bißchen betrachten, weil man eigentlich die ganze Geschichte und das ganze soziale Leben, auch das heutige soziale Leben nur versteht, wenn man auf die Rasseneigentümlichkeiten der Menschen eingehen kann. Und dann kann man ja auch erst im richtigen Sinne alles Geistige verstehen, wenn man sich zuerst damit beschäftigt, wie dieses Geistige im Menschen gerade durch die Hautfarbe hindurch wirkt.
(GA-349)
Der Satz:
Verdächtig auch, dass er der europäischen, zumal der mitteleuropäischen Kultur für unsere Epoche eine besonders zukunftsweisende Rolle zuschreibt; in der nächsten Epoche werde diese Rolle der slawischen Kultur zufallen.
unterschlägt, dass R. Steiner nicht bloß Kulturen wichtige Rollen zuschrieb, sondern von Feindeswünschen gegen das deutsche Volk und die mitteleuropäische Welt sprach, vom „Glaube an die Sieghaftigkeit des deutschen Lebens“ und davon, dass „das deutsche Wesen in der Weltenentwickelung seine Mission erfüllen muß“:
Wir sehen die kontinuierliche Fortentwickelung der germanischen Seele zum deutschen Geist; wir sehen den deutschen Geist in einer Anfangsetappe, sehen die Keime, die da sind und die Versprechen, daß er noch auf Höhen steigen muß, die schon implizite in ihm liegen, und die nicht getötet werden dürfen, sondern die sich entwickeln müssen, weil sie zu seinem Wesen gehören. Einzelne Menschen können sterben, bevor sie ihr Leben voll ausgelebt haben. Menschen können sterben in den Jugendjahren ihres Daseins, weil sie wiederkehren in anderen Erdenleben, und weil außerdem für das irdische Kulturleben andere an ihre Stelle treten können. Unvollendete Menschenleben können sich im äußeren physischen Dasein abspielen. Unvollendete Völkerleben nicht! Denn wenn ein Volk, bevor es seine Mission erfüllt hat, hingemordet würde oder in seiner Existenz beeinträchtigt würde, dann tritt nicht eine andere Volksindividualität an seine Stelle. Völker müssen sich ausleben! Völker müssen den Kreislauf ihres Daseins – nicht nur das Kindes- und Mannesdasein, sondern ihr Dasein bis in die höchste Vollendung hin erreichen. Der deutsche Geist, das deutsche Geistesleben steht nicht an einem Ende, nicht vor einer Vollendung; sondern es steht an einem Anfange. Ihm ist noch viel zugeteilt. Wenn Feindeswünsche, die nach dem Entgegengesetzten gehen, sich von allen Seiten gegen die Existenzmöglichkeiten des deutschen Volkes, der mitteleuropäischen Welt erheben, dann muß es dieses sein, was der mitteleuropäischen Welt, was dem deutschen Volke die Kraft zum Widerstande gibt, die Kraft gibt, die Keime lebendig zu erhalten, die wir in seine Seele gelegt finden gerade dann, wenn wir diese Seele in ihrer ganzen lebendigen Entwickelung betrachten. Und der Glaube an die Sieghaftigkeit des deutschen Lebens, er braucht nicht ein bloßer blinder Glaube zu sein; er kann hervorgehen aus der lebendigen Erkenntnis des deutschen Wesens, aus jener lebendigen Erkenntnis, welche da zu der Anschauung kommt, daß das deutsche Leben fortleben muß, weil das deutsche Wesen in der Weltenentwickelung seine Mission erfüllen muß, weil nichts da sein würde, was die rein äußere materialistische Weltanschauung erheben würde zu jener ideellsten spirituellen Höhe, deren Intention im deutschen Wesen liegt. Wahrhaftig: in diesem deutschen Geistesleben liegt das, was einstmals die bloße materialistische Weltanschauung herausführen wird zur Anschauung der spirituellen Welt. Und daß die besten Geister es geahnt haben, daß ein Anfang und nicht ein Ende des deutschen Geisteslebens gegeben ist, das sehen wir bei allen großen Geistern, wie sie die Impulse dieses Geisteslebens ausgesprochen haben.
(GA-64)
In dem Absatz:
An sich war ein solches Denken in Kategorien von „Fortschritt“ und „Rückständigkeit“ gerade seit dem 19. Jahrhundert weit verbreitet. Man findet es in unterschiedlicher Form bei fast allen Autoren, von Karl Marx, der nationale Minderheiten wie Basken und Bretonen als „Völkerabfälle“ bezeichnete, bis zum vielbewunderten „Urwalddoktor“ Albert Schweitzer, der sehr herablassend über Afrikaner sprach. Allerdings, selbst wenn man – bei ihnen wie bei Steiner – zeitbedingte Vorurteile und Eurozentrismen ausblendet, bleibt eine Grundsatzfrage: Will man behaupten, dass im Prinzip alle Völker und Kulturen zu jeder Zeit in ihrer Entwicklung und Eigenart quasi synchron waren?
wird simpler Whataboutism betrieben und ausgeblendet, dass in Bezug auf andere Autoren selten versucht wird, ihre Passagen als harmlos zu erklären. Bei R. Steiner wird dies durch anthroposophische Institutionen jedoch immer wieder versucht, siehe die hier besprochene Website.
Angesichts der Überschrift „War Steiner Rassist?“ stellt sich als Grundsatzfrage weniger die suggerierte, sondern beispielsweise die folgende: Welche Vorurteile und Eurozentrismen waren lediglich zeitbedingt und was bedeuted es, diese auszublenden?
Die Behauptung:
Oder versucht man die realen Abläufe in ihrer ganzen Vielfalt in Ort und Zeit sichtbar zu machen? Dann wäre von außerordentlichen historischen Phasen zu sprechen (das alte Ägypten, die italienische Renaissance …), aber auch von Stagnationen und fragwürdigen oder gar katastrophalen Entwicklungen. Um klare Wertungen und Zuordnungen wird man im Einzelfall ohnehin nicht herumkommen. Mit Recht würde niemand den Holocaust diffus der ganzen Menschheit zuschreiben – nein, er war ein Produkt der deutschen Geschichte.
ist irreführend, da der Holocaust nicht den Kindern oder den Opfern zugeschrieben werden kann, obgleich diese ein Teil der deutschen Geschichte sind. Es wird suggeriert, die Menge an Differenzierungen in R. Steiners Äußerungen stieße auf Kritik, dabei ist das Gegenteil der Fall: Das Fehlen von Differenzierungen ist das Problematische. Denn statt differenziert „die realen Abläufe in ihrer ganzen Vielfalt in Ort und Zeit sichtbar zu machen“, drückte R. Steiner pauschal ganzen Völkern den Stempel des Niedergangs inklusive „Fäulnischarakter“ auf:
Doch zurück zur Miselsucht. Sie müssen in diesem Falle, wenn Sie geistig die tiefere Ursache dieser Krankheit erklären wollen, zurückblicken auf ein bedeutsames historisches Ereignis: auf das Ereignis, als von Osten her große Völkermassen über Europa hinwegstürmten und dieses Europa in Furcht und Schrecken setzten. Diese asiatischen Scharen waren Völker, die auf der alten Atlantierstufe stehengeblieben und daher im Niedergang begriffen waren, also Völker, die den Niedergangs-, sozusagen den Fäulnischarakter besonders stark in ihrem Astralleib hatten. Wären diese Völkerschaften über Europa herübergestürmt, ohne daß die Europäer sich erregt oder erschreckt hätten, dann wäre nichts passiert. So aber verursachten diese Horden Angst und Schrecken und Bestürzung; ganze Völkerschaften in Europa erlebten diese Angst und Schreckenszustände. Und nun mischte sich der faule Astralstoff der Hunnen mit den von Angst und Furcht und Grauen durchwühlten Astralleibern der überfallenen Völker. Die degenerierten Astralleiber der asiatischen Stämme luden ihre schlechten Stoffe auf diese furchtdurchwühlten Astralleiber der Europäer ab, und diese Fäulnisstoffe bewirkten eben, daß später die physische Wirkung der Krankheit auftrat. Das ist in Wahrheit die tiefe geistige Ursache des Aussatzes im Mittelalter. Es tritt also etwas, was geistig verursacht ist, in späterer Zeit im physischen Körper auf. Nur wer dieses Gesetz von Karma kennt und es zu durchschauen vermag, ist dazu berufen, in den Geschichtsverlauf tätig einzugreifen.
(GA-100)
Die Behauptung:
Man kann sich dem Thema noch von einer anderen Seite nähern. Ein zentrales Ziel rassistischer Ideologien ist stets eine Ordnung der Menschheit nach ethnischen Maßstäben: Jede Gruppe, jedes Volk soll sozusagen „für sich“ bleiben. Charakteristisch für Steiner ist nun, dass er auch dieses Thema, wie eigentlich alles, entwicklungsmäßig fasst.
suggeriert, es müsse eine Ideologie mit zentralem Ziel erkennbar sein, um von Rassismus sprechen zu können. Und dass es bereits zur Widerlegung von Rassismus tauge, wenn R. Steiner dieses Thema entwicklungsmäßig fasste.
Ausgrenzung wird jedoch nicht durch die Behauptung aufgehoben, sie sei in der Vergangenheit wichtig gewesen, in der Gegenwart irgendwie auch noch, doch in der Zukunft würde sich dann ja alles ändern, so entwicklungsmäßig eben.
Ob nun als zentrales Ziel einer Ideologie oder nicht, für seine Gegenwart machte R. Steiner eine solche „Ordnung der Menschheit nach ethnischen Maßstäben“ geltend:
Zu Asien gehört die gelbe Rasse, die Mongolen, die mongolische Rasse, und zu Europa gehört die weiße Rasse oder die kaukasische Rasse, und zu Afrika gehört die schwarze Rasse oder die Negerrasse. Die Negerrasse gehört nicht zu Europa, und es ist natürlich nur ein Unfug, daß sie jetzt in Europa eine so große Rolle spielt.
(GA-349)
Der Abschnitt:
Schon die Universalreligionen wie das Christentum und der Islam erstrebten demgegenüber einen Übergang ins Menschheitliche (zumindest dem Anspruch nach wandten sie sich an jeden Menschen, unabhängig von Abstammung und Herkunft). In unserer Zeit schließlich gilt dies laut Steiner noch viel entschiedener: „Ein Mensch, der heute von dem Ideal von Rassen und Nationen und Stammeszugehörigkeiten spricht, der spricht von Niedergangsimpulsen der Menschheit.“
unterschlägt, dass R. Steiner vor der zitierten Stelle die „alten Impulse, die sich auf Rassen-, Stammes- und Volkszusammenhänge, auf das Blut gründen,“ für die Zeit der Sklaverei als gut und fortschrittlich bezeichnete:
Das, was gut war in alten Zeiten, oder besser gesagt, was in der Sphäre der guten Geister des Lichtes war, das wird abgegeben im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts an die Geister der Finsternis. So daß von da ab die alten Impulse, die sich auf Rassen-, Stammes- und Volkszusammenhänge, auf das Blut gründen, übergehen in die Regierung der Geister der Finsternis, daß von da ab die Geister der Finsternis, die früher die Rebellen der Freiheit waren, den Menschen einzuimpfen beginnen, die Ordnungen auf Stammeszusammengehörigkeiten, auf Blutsbande zu begründen.
Sie sehen, definieren kann man nicht. Denn definiert man die Geister der Finsternis nach ihrer Aufgabe in alten Zeiten, so bekommt man gerade das Gegenteil von dem heraus, was die Geister der Finsternis in neuen Zeiten, seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, als Aufgabe haben. In alten Zeiten hatten die Geister der Finsternis die Aufgabe, entgegenzuarbeiten den vererbten Merkmalen der Menschen; seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bleiben sie zurück, wollen zurückbleiben, wollen die Menschen immer wieder und wiederum hinweisen, auf ihre Stammes- und Bluts- und Vererbungszusammenhänge zu pochen.
Diese Dinge sind einfach eine Wiedergabe der Wahrheit, aber einer Wahrheit, die den Menschen heute im höchsten Grade unbequem ist, die die Menschen heute nicht hören wollen, denn sie haben sich durch Jahrtausende das Pochen auf die Blutsbande eingeimpft. Und diese Gewohnheit lassen sie aus Bequemlichkeit übergehen in die Führung der Geister der Finsternisse. Und so sehen wir, daß gerade im 19. Jahrhundert ein Pochen auf Stammes- und Volks- und Rassenzusammenhänge beginnt, und daß man von diesem Pochen als einem idealistischen spricht, während es in Wahrheit der Anfang ist einer Niedergangserscheinung der Menschen, der Menschheit. Denn während alles dasjenige, was auf die Herrschaft des Blutes gebaut war, Fortschritt bedeutete, solange das Blut unter der Herrschaft der Geister des Lichts war, bedeutet es unter der Herrschaft der Geister der Finsternisse Niedergangserscheinung. Im stärksten Maße werden sich die Geister der Finsternis anstrengen, wie sie sich früher angestrengt haben, den rebellischen Sinn für die Freiheit in die Menschen zu pflanzen, als die Vererbungsmerkmale im guten Sinne von den fortschrittlichen Geistern vererbt wurden, so werden sie sich im äußersten Maße anstrengen in den drei folgenden Zeiten der Menschheitsentwickelung bis zu der großen Katastrophe, durch die Konservierung der alten Vererbungsmerkmale und der aus der Konservierung dieser Vererbungsmerkmale folgenden Gesinnung die notwendigen Niedergangsmerkmale in die Menschheit zu bringen.
Da ist wiederum ein Punkt, an dem man wachsam sein muß. Und insbesondere kann man den gegenwärtigen Zeitpunkt nicht verstehen, wenn man nicht weiß, was für ein Austausch von Funktionen gerade im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts sich vollzogen hat. Ein Mensch noch des 14. Jahrhunderts, der gesprochen hat von dem Ideal der Rassen, von dem Ideal der Nationen, der hat gesprochen aus den fortschreitenden Eigenschaften der menschlichen Entwickelung heraus; ein Mensch, der heute von dem Ideal von Rassen und Nationen und Stammeszusammengehörigkeiten spricht, der spricht von Niedergangsimpulsen der Menschheit. Und wenn er in diesen sogenannten Idealen glaubt, fortschrittliche Ideale vor die Menschheit hinzustellen, so ist das die Unwahrheit. Denn durch nichts wird sich die Menschheit mehr in den Niedergang hineinbringen, als wenn sich die Rassen-, Volks- und Blutsideale fortpflanzen. Durch nichts wird der wirkliche Fortschritt der Menschheit mehr aufgehalten als dadurch, daß aus früheren Jahrhunderten stammende, von luziferisch-ahrimanischen Mächten fortkonservierte Deklamationen herrschen werden über die Ideale der Völker, während das wirkliche Ideal dasjenige werden müßte, was in der rein geistigen Welt, nicht aus dem Blute heraus, gefunden werden kann.
(GA-177)
In dem Absatz:
Anders gesagt: Für eine Gemeinschaftsbildung in unserer Epoche sollte nicht mehr die Herkunft bestimmend sein, auf die rassistische Ideologien fixiert sind, heute müssen andere Maximen in den Vordergrund treten. Steiner: „Die Menschheit mischt sich, um sich von geistigen Gesichtspunkten aus zu gruppieren.“ (Dies wäre wahrlich ein ungewöhnlicher Satz für einen Rassisten.)
wird unterschlagen, dass R. Steiner in der zitierten Stelle den Veränderungen der Maximen tausende Jahre Zeit einräumte:
So geht, indem wir uns vom fünften in das sechste und dann in das siebente Zeitalter hinüberentwickeln, der alte Zusammenhang in Stammes- und Blutsverbänden immer mehr verloren. Die Menschheit mischt sich, um sich von geistigen Gesichtspunkten aus zu gruppieren. Es war eine Ungezogenheit, in der Theosophie von den Rassen so zu sprechen, als ob sie immer bleiben würden. Der Begriff der Rasse verliert schon für die nächste Zukunft, womit allerdings Tausende von Jahren gemeint sind, seinen Sinn. Das ewige Reden, daß immer in der Welt sich sieben und sieben Rassen entwickelt hätten, das ist die spekulative Ausdehnung eines Begriffes, der nur für unser Zeitalter nach rückwärts und vorwärts gilt; von der Sehergabe, vom Okkultismus ist das nie gesagt worden. Wie alles entsteht, so sind auch die Rassen entstanden, und wie alles wieder vergeht, werden auch die Rassen wieder vergehen, und jene, die immer nur von Rassen gesprochen haben, die werden sich daran gewöhnen müssen, ihre Begriffe flüssig zu machen. Das ist nur eine Bequemlichkeit!
(GA-99)
Hinzu kommt, dass R. Steiner für seine Gegenwart die „Vermischung“ von Völkern als Ausschreitungen, welche „man ja nicht immer verhindern kann,“ bezeichnete:
Und durch besondere Verhältnisse, namentlich dadurch, daß in den neueren Jahrhunderten die sogenannten zivilisierten Völker mehr mit den wilden Völkern zusammengekommen sind, hat sich zuerst durch eine Vermischung, durch eine geschlechtliche Vermischung der zivilisierten mit den wilden Völkern das herausgebildet, was die syphilitischen Erkrankungen sind. Die syphilitischen Erkrankungen waren weniger da, als die Völker noch mehr in Rassen abgeschieden waren. Nicht wahr, bei Krankheiten, die so auftreten wie die syphilitischen, ist ja der Gang der, daß sie zunächst durch irgend etwas bewirkt werden, aber dann durch sich selbst sich fortpflanzen. Sie werden ansteckend. Ursprünglich müssen sie aber durch irgend etwas entstehen. Die syphilitischen Krankheiten sind dadurch entstanden, daß sich Menschen entferntstehender Rassen geschlechtlich miteinander vermischt haben. Und es kann überhaupt zum Beispiel keine syphilitische Ansteckung Zustandekommen, wenn nicht eine wenn auch noch so verborgene kleine Wunde oder selbst nur eine kleine Schleißigkeit im Gewebe vorhanden ist. Der syphilitische Ansteckungsstoff muß ins Blut desjenigen Menschen hineinkommen, der zunächst nicht angesteckt ist. Also wenn Sie den syphilitischen Ansteckungsstoff einfach auf die Haut aufstreichen, und die Haut ist ganz dicht, so kann keine Ansteckung entstehen. Eine Ansteckung kann nur dann entstehen, wenn die Haut irgendwo so dünn ist, daß der Ansteckungsstoff durchkommen kann. Daraus können Sie ersehen, daß der syphilitische Ansteckungsstoff zunächst irgendwo entstehen muß, wo fremde Blutgegensätze zusammenkommen. Und dann natürlich pflanzt sich das Gift weiter fort. Aber ursprünglich ist das entstanden, als unter den Völkern eine größere Vermischung entstand. Und es wäre ja wahrscheinlich interessant, die Statistiken zu prüfen auch in bezug auf diese Krankheitsfälle jetzt, wo ja von gewisser Seite in Europa allerlei exotische Menschen verwendet werden, wobei man ja nicht immer verhindern kann, daß nun auch da, nicht wahr, im Sexuellen allerlei Ausschreitungen stattfinden.
Sehen Sie, das Auftauchen der Syphilis ist ja in einzelnen Fällen schon früher vorgekommen, aber das stärkere Auftreten der Syphilis ist erst in der neueren Zeit da, aber doch in der neueren Zeit, wo man noch etwas von dieser alten Wissenschaft wußte, so daß schon Beobachtungen darüber angestellt worden sind, daß sich Syphiliskranke leichter fühlen, wenn der Merkur von der Erde zugedeckt wird. Und dadurch hat man gefunden, daß das Quecksilber dem Merkur zugeteilt ist.
(GA-348)
Auch in anderem Zusammenhang machte R. Steiner Migration für allerlei angebliches Übel verantwortlich:
X.: Ich habe gedacht, daß man die Geistigkeit einer Sprache eher faßt, wenn sie am Ersterben ist.
Dr. Steiner: Das ist beim Menschen der Fall, nicht bei der Sprache. Die französische Sprache ist ja mehr abgestorben als Sprache, als die lateinische Sprache im Mittelalter war, als sie doch schon eine tote Sprache war. Innerlich lebte in der lateinischen Sprache mehr Geist, als sie Kirchen- und Küchenlatein war, als in der französischen Sprache heute lebt. Was die französische Sprache aufrecht erhält, ist der Furor, das Blut der Franzosen. Die Sprache ist eigentlich tot, und sie wird als Leichnam fortgesprochen. Das ist am allerstärksten an der französischen Poesie des 19. Jahrhunderts hervorgetreten. Korrumpiert wird die Seele ganz sicher durch den Gebrauch der französischen Sprache. Sie gewinnt nichts als die Möglichkeit einer gewissen Phraseologie. Das wird auch übertragen auf andere Sprachen bei denjenigen, die das Französische mit Enthusiasmus sprechen. Es liegt dies vor, daß gegenwärtig die Franzosen dasjenige, was ihre Sprache als Leichnamssprache aufrechterhalten hat, das Blut, auch noch selbst verderben. Die schreckliche Kulturbrutalität der Verpflanzung der schwarzen Menschen nach Europa, es ist eine furchtbare Tat, die der Franzose an anderen tut. Sie wirkt in noch schlimmerer Weise auf Frankreich selbst zurück. Auf das Blut, auf die Rasse wirkt das unglaublich stark zurück. Das wird wesentlich die französische Dekadenz fördern. Das französische Volk als Rasse wird zurückgebracht.
Frau Dr. Steiner: Man bemerkt das Kleidhafte und Ausgehöhlte der Sprache, wenn man sie mit dem Italienischen vergleicht. Man findet im Italienischen immer die Möglichkeit, die Geistigkeit des Inhaltes wiederzugeben, im Französischen nicht immer. Die Tiefe verschwindet.
(GA-300b)
Als im Mittelalter die Hunnen von Asien her sich in die europäischen Länder ergossen und beunruhigende Kriege verursachten, hatte das auch eine geistige Bedeutung. Die Hunnen sind die letzten Überbleibsel alter atlantischer Völker. Sie stehen in tiefer Dekadenz, die sich in einem gewissen Verwesungsprozeß ihres Astral- und Ätherleibes äußert. Diese Verwesungsstoffe fanden einen guten Mutterboden in der Furcht und dem Schrecken, den sie bei allen Völkern verursachten. Dadurch impften diese ihren Astralleibern solche verwesenden Stoffe ein, und das übertrug sich nun bei einer späteren Generation auf den physischen Leib. Die Haut saugte das aufgenommene Astralische ein, und die Folge davon war eine Krankheit des Mittelalters: der Aussatz.
(GA-99)
Im Gegensatz zum alten Text:
Denn eines der Hauptthemen von Steiner ist die bewusste Emanzipation des einzelnen Menschen aus seinen Prägungen durch Abstammung und Sozialisation.
gilt Emanzipation im neuen Text nun nicht mehr als eines der Hauptthemen R. Steiners, sondern der Anthroposophie. Der Verfasser entfernt sich damit immer mehr vom eigentlichen Thema seines Beitrages: „War Steiner Rassist?“
Die bewusste Emanzipation des einzelnen Menschen aus seinen Prägungen durch Abstammung und Sozialisation ist geradezu eines der Hauptthemen der Anthroposophie!
Und auch in der neuen Formulierung wird unterschlagen, wie sich R. Steiner zu diesem Thema äußerte:
Wir müssen, wenn wir das verstehen wollen, genau unterscheiden zwischen der Rassenentwickelung und der Seelenentwickelung. Diese beiden dürfen durchaus nicht miteinander verwechselt werden. Eine Menschenseele kann sich so entwickeln, daß sie in einer Inkarnation in einer bestimmten Rasse sich verkörpert. Wenn sie sich da bestimmte Eigenschaften erwirbt, so kann sie sich in einer späteren Inkarnation in einer ganz anderen Rasse wieder verkörpern, so daß wir durchaus erleben können, daß heute innerhalb der europäischen Bevölkerung solche Seelen verkörpert sind, die in ihrer früheren Inkarnation in Indien, Japan oder China verkörpert waren. Die Seelen bleiben durchaus nicht bei den Rassen. Die Seelenentwickelung ist etwas ganz anderes als die Rassenentwickelung. Die Rassenentwickelung geht ihren ruhigen Gang vorwärts. Nun war es bei der alten europäischen Entwickelung so, daß die Seelen versetzt waren in europäische Rassen, weil sie nicht in die asiatischen Rassen hinüber konnten; deshalb waren die Seelen in jener Zeit immer wieder gezwungen, sich in europäischen Rassen zu verkörpern. Aber sie wurden immer besser und besser, und das führte dann dazu, daß die Seelen allmählich in höhere Rassen übergingen, daß also Seelen, die in ganz untergeordneten Rassen früher verkörpert waren, auf eine höhere Stufe hinauf sich entwickelten und sich später verkörpern konnten in den leiblichen Nachkommen der führenden Bevölkerung Europas. Die leiblichen Nachkommen der führenden Bevölkerung Europas vermehrten sich, wurden zahlreicher als sie ursprünglich waren, weil die Seelen nach dieser Richtung sich vermehrten. Da verkörperten sie sich also, nachdem sie besser geworden waren, in der führenden Bevölkerung Europas, und die Entwickelung geschah nun so, daß überhaupt als physische Rasse die leibliche Gestalt, in welcher sich die älteste europäische Bevölkerung ursprünglich verkörpert hatte, ausstarb; daß also gleichsam die Seelen verließen bestimmt geformte Leiber, die dann ausstarben. Das war der Grund, daß in den untergeordneten Rassen immer weniger Nachkommen waren, in den übergeordneten immer mehr und mehr. Nach und nach starben dann die untersten Schichten der europäischen Bevölkerung ganz aus.
So etwas ist eben ein ganz bestimmter Vorgang, den wir verstehen müssen. Die Seelen entwickeln sich weiter, die Leiber sterben dahin. Deshalb müssen wir so genau unterscheiden zwischen Seelen- und Rassenentwickelung. Die Seelen erscheinen dann in den Körpern, die von höheren Rassen abstammen. Solch ein Vorgang geschieht nicht ohne Wirkung. Wenn nämlich so etwas geschieht, daß über große Gebiete hin etwas gleichsam verschwindet, so verschwindet es nicht im Nichts, sondern es löst sich auf und ist dann in einer anderen Form vorhanden. Sie werden verstehen, als was es geblieben ist, wenn Sie ins Auge fassen, daß im Grunde genommen in den Urzeiten bei dem Aussterben der Schlechteren der Bevölkerung, von denen ich hier gesprochen habe, sich allmählich das ganze Gebiet mit dämonischen Wesen anfüllte, welche die Auflösungsprodukte, die Verwesungsprodukte dessen darstellten, was da ausgestorben war.
Es war also ganz Europa und auch Vorderasien angefüllt von den vergeistigten Verwesungsprodukten der ausgestorbenen Schlechteren der Bevölkerung. Diese Verwesungsdämonen hatten eine lange Dauer und sie wirkten später auf die Menschen ein, und so war es gekommen, daß diese Verwesungsdämonen, die da gleichsam in der geistigen Atmosphäre enthalten waren, einen Einfluß auf die Menschen gewannen und bewirkten, daß die Gefühle und die Empfindungen, die später die Menschen hatten, von ihnen durchsetzt wurden. Das zeigt sich am besten darin, daß, als von Asien später große Völkermassen nach Europa herüberkamen zur Zeit der Völkerwanderung, unter ihnen Attila mit seinen Scharen, und die Leute in Europa in großen Schreck versetzten, dieser Schrecken die Menschen geeignet machte, in Beziehung zu kommen mit dem, was von früher her noch vorhanden war als dämonische Wesenheiten. Nach und nach entwickelten sich durch diese dämonischen Wesenheiten als eine Folge von dem Schrecken, der durch die herüberkommenden Scharen aus Asien entstanden war, das, was als die Seuche des Mittelalters auftrat, als die Miselsucht, als der Aussatz. Diese Krankheit war nichts anderes als die Folge der Schreckens- und Furchtzustände, die die Menschen damals durchmachten. Die Schreckens- und Furchtzustände konnten zu diesem Ziele aber nur führen bei solchen Seelen, welche ausgesetzt waren den dämonischen Kräften von ehemals.
Jetzt habe ich Ihnen geschildert, wodurch die Menschen ergriffen werden konnten von einer Sucht, die später aus Europa in der Hauptsache wieder ausgerottet worden ist, und warum sie gerade in der gestern bezeichneten Zeit in so hohem Grade vorhanden war. So sehen wir zwar, wie jetzt in Europa ausgestorben waren die Schichten, die aussterben sollten, weil sie sich nicht nach oben entwickelt hatten, wie wir aber jetzt noch die Nachwirkung in Form von Krankheiten haben, die an den Menschen herantreten können. Die betreffende Krankheit, die sogenannte Miselsucht oder der Aussatz, stellt sich uns dar als die Folge von geistig-seelischen Ursachen.
(GA-155)
Das Argument:
In seiner Grundstruktur aber, in seiner ganzen Anlage und Blickrichtung, ist Steiners Denken menschheitlich und human orientiert. Es hatte schon seinen Grund, dass völkische Gruppen immer wieder seine Vorträge störten und dass Hitler schon 1921 in einem Artikel im Völkischen Beobachter Steiner angriff.
ist logisch fehlerhaft, denn dass der Oberrassist über ihn schimpfte, belegt nicht die Qualität R. Steiners Denkens.
Teil 3
War die Hautfarbe eines Menschen für Steiner relevant?
Hier äußerte sich Steiner widersprüchlich. Ja, Steiner hat sich ab seinem 35. Lebensjahr immer mehr für die wahrnehmbare Wirklichkeit interessiert, also auch für Farben. Davor waren ihm – so schildert er es in seiner Autobiographie – philosophische Überlegungen näher. Als Goethe-Kenner interessierte er sich generell für die „seelisch-sittliche Wirkung“ der Farben. Eine Idee, mit der viele Maler gearbeitet haben und über die in der Kunstgeschichte viel nachgedacht wurde. Außerdem war Steiner der Überzeugung, dass die Farben in der Pflanzen- und Tierwelt, aber eben auch am menschlichen Körper Hinweise für „seelisch-sittliche“ Qualitäten sind, die zum jeweiligen Lebewesen dazu gehören.
Richtig ist, dass Steiner sich nach heutigem Verständnis in einzelnen wenigen Passagen abfällig zur schwarzen Hautfarbe äußert. Wahr ist aber auch, dass Steiner nie einen Menschen als Individuum mit seiner physischen Erscheinung gleichsetzte. Er war der Überzeugung, dass alle Menschen – gerade weil jeder sich zurecht auf seine eigene Individualität berufen kann – gleich an Würde und Rechten sind und körperliche Merkmale höchstens eine nachrangige Bedeutung haben. In diesem Sinne ist die Hautfarbe für Steiner bedeutungslos. Seine grundlegenden Gedanken über den Menschen unterminieren sogar rassistische Denkweisen.
Scheinbar widersprüchlich, komplex, aber nicht per se rassistisch sind Steiners geschichtsphilosophische Entwicklungsgedanken. Wie alle seine Zeitgenossen hat er über Rassen nachgedacht. Das heißt aber nicht, dass er automatisch ein Rassist war, der beispielsweise schwarze Menschen ausgrenzen wollte. Vielmehr war er der Überzeugung, dass kollektivistische Kategorien und Ideale in der Vergangenheit eine Berechtigung gehabt haben, sie aber für die Zukunft an Bedeutung verlieren müssten.
Richtig ist, dass Steiner sich nach heutigem Verständnis in einzelnen wenigen Passagen abfällig zur schwarzen Hautfarbe äußert.
suggeriert, R. Steiners Äußerungen seien nach damaligem Verständnis nicht abfällig gewesen. Das mag für nicht Betroffene und ihr Verständnis gelten, für die betroffenen Menschen werden die Äußerungen jedoch schon immer abfällig gewesen sein.
Die Behauptung:
Wahr ist aber auch, dass Steiner nie einen Menschen als Individuum mit seiner physischen Erscheinung gleichsetzte.
wird angesichts solcher Äußerungen wie den folgenden sehr fragwürdig:
Man versteht den einzelnen Menschen nicht, wenn man nicht sieht, wie er in seiner Gesamtentwickelung dadurch, daß diese Wesenheiten zusammenwirken, geworden ist. Dadurch, daß auf unserem Erdenplaneten durch das geheimnisvolle Zusammenwirken der Geister der Form, die die normale Entwickelung durchgemacht haben, und der Geister der Form, die die abnorme Entwickelung durchgemacht haben, einmal eine kaukasische Rasse geschaffen wurde, dadurch wurde der Grund und Boden dafür geschaffen, daß ein Plato überhaupt werden konnte.
(GA-121)
Es gibt eine Biographie von Schubert, die schildert das Exterieur von Schubert so, wie wenn Schubert ungefähr wie ein Neger ausgesehen hätte. Es ist gar keine Rede davon gewesen! Er hat sogar ein sehr sympathisches Gesicht gehabt! Aber er war eben arm.
(GA-235)
Der Abschnitt:
Er war der Überzeugung, dass alle Menschen – gerade weil jeder sich zurecht auf seine eigene Individualität berufen kann – gleich an Würde und Rechten sind und körperliche Merkmale höchstens eine nachrangige Bedeutung haben. In diesem Sinne ist die Hautfarbe für Steiner bedeutungslos. Seine grundlegenden Gedanken über den Menschen unterminieren sogar rassistische Denkweisen.
passt schlecht zu R. Steiners folgenden Äußerungen. Er war der Überzeugung, manche Menschen seien „nicht im vollen Sinne des Wortes Menschen“, und in diesen stecke keine Individualität. Das ist eine entscheidende Einschränkung der Behauptung, dass „jeder sich zurecht auf seine eigene Individualität berufen kann“.
Der Schularzt spricht über besondere medizinische Fälle.
Dr. Steiner: Das Mädchen L. K. in der 1. Klasse, da wird irgendeine recht schlimme Verwickelung da sein mit dem ganzen Inneren. Da wird auch nicht viel zu machen sein. Das sind diese Fälle, die immer häufiger vorkommen, daß Kinder geboren werden und Menschenformen da sind, die eigentlich in bezug auf das höchste Ich keine Menschen sind, sondern die ausgefüllt sind mit nicht der Menschenklasse angehörigen Wesenheiten. Seit den neunziger Jahren schon kommen sehr viele ichlose Menschen vor, wo keine Reinkarnation vorliegt, sondern wo die Menschenform ausgefüllt wird von einer Art Naturdämon. Es gehen schon eine ganze Anzahl alte Leute herum, die eigentlich nicht Menschen sind, sondern naturgeistige Wesen und Menschen nur in bezug auf ihre Gestalt. Man kann nicht eine Dämonenschule errichten.
X.: Wie ist das möglich?
Dr. Steiner: An sich ist nicht ausgeschlossen, daß im Kosmos ein Rechenfehler geschieht. Es sind doch lange füreinander determiniert die hinuntersteigenden Individualitäten. Es geschehen auch Generationen, für die keine Individualität Lust hat hinunterzukommen und sich mit der Leiblichkeit zu verbinden, oder die sie auch gleich am Anfang verlassen. Da treten dann andere Individuen ein, die nicht recht passen. Aber dies ist wirklich jetzt sehr häufig, daß ichlose Menschen herumgehen, die eigentlich keine Menschen sind, die nur menschliche Gestalt haben, naturgeistähnliche Wesen, was man nicht erkennt, weil sie in menschlicher Gestalt herumgehen. Sie unterscheiden sich auch sehr wesentlich von den Menschen in bezug auf alles Geistige. Sie können es zum Beispiel nie zu einem Gedächtnis bringen in den Dingen, die Sätze sind. Sie haben eigentlich nur Wortgedächtnis, kein Satzgedächtnis. Die Rätsel des Lebens sind nicht so einfach. Wenn eine solche Wesenheit durch den Tod geht, dann geht sie zurück in die Natur, woher sie gekommen ist. Der Leichnam zerfällt; eine richtige Auflösung des Ätherleibes ist nicht da, und das Naturwesen geht in die Natur zurück. Es könnte sein, daß irgendwie automatisch etwas geschehen könnte. Der ganze Apparat des menschlichen Organismus ist da. Man kann unter Umständen in den Gehirnautomatismen eine Pseudomoral züchten. Man redet sehr ungern über diese Dinge, nachdem wir ohnedies vielfach gegnerisch angefallen werden. Denken Sie, was die Leute sagen, wenn sie hören, hier wird erklärt, daß es Menschen gibt, die keine Menschen sind. Aber es sind Tatsachen. Wir würden auch nicht solchen Niedergang der Kultur haben, wenn ein starkes Gefühl dafür vorhanden wäre, daß manche Leute herumgehen, die gerade dadurch, daß sie rücksichtslos sind, etwas werden, daß die keine Menschen sind, sondern Dämonen in Menschengestalt. Aber wir wollen das nicht in die Welt hinausposaunen. Die Gegnerschaft ist so schon groß genug. Solche Dinge schockieren die Menschen furchtbar. Es hat einen furchtbaren Schock hervorgerufen, als ich genötigt war zu sagen, daß ein ganz berühmter Universitätsprofessor, der einen großen Ruf hat, daß der, nach einem sehr kurzen Leben zwischen Tod und neuer Geburt, ein wiederverkörperter Neger war, ein Forscher. Aber diese Dinge wollen wir nicht der Welt verkünden.
(GA-300c)
Nun, sehen Sie, erstens ist das nicht ganz richtig, weil die Statistiken auf Irrtümern beruhen; man nimmt bei den statistischen Vergleichsrechnungen nicht die ganze Erde, man nimmt immer nur ein Stück der Erde und denkt nicht daran, daß die anderen Teile der Erde zu anderen Zeiten eben dichter bevölkert waren als heute. Es ist also im einzelnen nicht immer ganz richtig, aber im ganzen ist es schon richtig, daß in unserer Zeit eine Art überzähliger Menschen erscheinen, die ichlos sind, die keine Menschen in Wirklichkeit sind. Das ist eine furchtbare Wahrheit. Sie gehen herum, sie sind keine Inkarnationen eines Ich, sie werden hereingestellt in die physische Vererbung, bekommen Ätherleib und Astralleib, sie werden in gewissem Sinne innerlich ausstaffiert mit einem ahrimanischen Bewußtsein; sie machen den Eindruck von Menschen, wenn man nicht genau hinsieht, aber sie sind nicht im vollen Sinne des Wortes Menschen.
Das ist eine schreckliche Wahrheit, das ist vorhanden, das ist eine Wahrheit. Und direkt auf Menschen selber weist der Apokalyptiker hin, wenn er in der fünften Posaunenepoche von der Heuschreckenplage spricht. Und wiederum kann man den Apokalyptiker in seinem Schauen erkennen. Denn in ihrem astralischen Leib erscheinen solche Menschen durchaus so, wie sie der Apokalyptiker beschreibt: als ätherische Heuschrecken mit Menschengesichtern. Es ist durchaus so, daß man über solche übersinnlichen Dinge so zu denken hat, daß der Priester solche Dinge wissen muß. Denn er ist der Seelsorger. Er muß also auch die Worte finden können für alles das, was in einer solchen Seele vorgeht. Es brauchen durchaus nicht immer böse Seelen zu sein, es können eben Seelen sein, die bis zum Seelischen kommen, aber des Ichs entbehren. Man wird schon darauf kommen, wenn man auf diese Menschen stößt. Der Priester muß dies wissen, denn das beeinflußt ja die Gemeinschaft unter den Menschen. Und vor allen Dingen leiden diejenigen Menschen, die echt beseelt sind, von solchen Personen, die eigentlich als Menschen-Heuschrecken durch die Welt gehen. Und es kann und muß sogar die Frage entstehen: Wie hat man sich solchen Menschen gegenüber zu verhalten?
Solchen Menschen gegenüber hat man oftmals eine recht schwierige Aufgabe, weil sie durchaus tief fühlend sind; sie können außerordentlich tief fühlend sein, man merkt aber, es steckt nicht eine eigentliche Individualität in ihnen. Nur hat man ihnen das natürlich sorgfältig zu verbergen, daß keine Individualität in ihnen steckt, denn sonst wäre ja die notwendige Folge der Wahnsinn. Aber trotzdem man ihnen das zu verbergen hat, handelt es sich darum, daß man für solche Seelen – Seelen sind es ja doch, wenn auch nicht Geister –, alles so einrichtet, daß diese Menschen den Anschluß finden an andere Menschen, in deren Gefolge sie sich entwickeln können, daß sie also gewissermaßen Mitgehende dieser anderen werden. Diese Menschen zeigen eigentlich ziemlich genau die Natur und Wesenheit des Menschen bis zum zwanzigsten Lebensjahr. Denn beim zwanzigsten Lebensjahr wird ja erst die Gemüts- oder Verstandesseele geboren und damit die Möglichkeit des irdischen Auslebens des Ich gegeben.
(GA-346)
Des Weiteren wird in der obigen Behauptung nicht geklärt, welche Gedanken R. Steiners als seine „grundlegenden Gedanken über den Menschen“ gelten. Seine folgenden Äußerungen zeigen, dass er der Überzeugung war, körperliche Merkmale würden eine vorrangige Bedeutung für die geistige Verfassung der Menschen spielen. Der Anthroposophie wies er dabei eine nachrangige Rolle zu, welche die angeblich vorherrschenden geistigen Defizite kompensieren solle:
Man kann also sagen: Die Blonden waren eigentlich körperlich immer die Schwächeren, sie waren eigentlich nur seelisch die Starken. Und in früheren Zeiten waren viele Menschen blond, waren aber seelisch stark, haben seelisch noch viel von dem gewußt, was heute viele nicht mehr wissen können. Daher habe ich Sie auch aufmerksam machen können, wie viel die Menschen gewußt haben.
Nehmen Sie zum Beispiel das alte Indien, so fünf- bis sechstausend Jahre vor Christi Geburt. Das hatte ja ursprünglich einheimische schwarze Bevölkerung; die waren ziemlich dunkel. Und dann waren Menschen eingewandert mit blonden Haaren, die vom Norden kamen. Daraus sind dann die Brahmanen geworden, die man besonders verehrte, die blonden Brahmanen. Aber mit der Zeit verliert sich die Blondheit, weil das Menschengeschlecht schwächer wird. Zuletzt würden nur mehr Braun- und Schwarzhaarige da sein können; aber wenn nicht nachgeholfen wird, so bleiben sie zugleich dumm. Denn je stärker die Körperkräfte sind, desto weniger stark sind die seelischen Kräfte. Und die Erdenmenschheit würde vor der Gefahr stehen, wenn die Blonden aussterben, daß die ganze Erdenmenschheit eigentlich dumm würde, wenn nicht das kommen würde, daß man eine Geisteswissenschaft haben wird, eine Anthroposophie, die nicht mehr auf den Körper Rücksicht nimmt, sondern die aus der geistigen Untersuchung selbst heraus die Gescheitheit wieder holt, wenn ich so sagen darf.
Also Sie sehen, lernt man richtig Naturgeschichte, so muß man sagen: Donnerwetter, die Menschen auf der Erde würden ja dumm, indem sie immer stärker werden! Die Menschen würden ja, wenn die Blauäugigen und Blondhaarigen aussterben, immer dümmer werden, wenn sie nicht zu einer Art Gescheitheit kommen würden, die unabhängig ist von der Blondheit. Die blonden Haare geben eigentlich Gescheitheit. Geradeso wie sie wenig in das Auge hineinschicken, so bleiben sie im Gehirn mit ihren Nahrungssäften, geben ihrem Gehirn die Gescheitheit. Die Braunhaarigen und Braunäugigen, und die Schwarzhaarigen und Schwarzäugigen, die treiben das, was die Blonden ins Gehirn treiben, in die Augen und Haare hinein. Daher werden sie Materialisten, gehen nur auf dasjenige, was man sehen kann, und es muß das durch geistige Wissenschaft ausgeglichen werden. Man muß also eine Geisteswissenschaft haben in demselben Maße, als die Menschheit mit der Blondheit ihre Gescheitheit verliert. Wir haben nicht zum Spaß diesen Bau, das Goetheanum, hierhergebaut, sondern auf das hin, was aus dem Menschengeschlecht wird, wenn nicht aus dem Geiste heraus nachgeholfen würde dem, was aus der Natur heraus verschwindet.
Sehen Sie, die Geschichte ist so ernst, daß man sagen kann: Es muß die Menschheit auf der Erde auf andere Weise als in alten Zeiten zu etwas kommen, was wiederum etwas hergibt. Denn es ist tatsächlich so, daß, je mehr die blonden Rassen aussterben, desto mehr auch die instinktive Weisheit der Menschen stirbt. Die Menschen werden dümmer. Und sie können nur wiederum gescheit werden, wenn sie nicht auf den Körper angewiesen sind, sondern wenn sie eine wirkliche geistige Wissenschaft haben. Das ist tatsächlich so. Und wenn heute die Leute darüber lachen, so mögen sie lachen. Aber sie haben ja über alles gelacht, was irgendwo aufgetreten ist und einen großen Umschwung hervorgebracht hat!
(GA-348)
Und so ist es wirklich ganz interessant: Auf der einen Seite hat man die schwarze Rasse, die am meisten irdisch ist. Wenn sie nach Westen geht, stirbt sie aus. Man hat die gelbe Rasse, die mitten zwischen Erde und Weltenall ist. Wenn sie nach Osten geht, wird sie braun, gliedert sich zu viel dem Weltenall an, stirbt aus. Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse. Wie sie nach Indien gezogen ist, bildete sie die innerliche, poetische, dichterische, geistige indische Kultur aus. Wenn sie jetzt nach dem Westen geht, wird sie eine Geistigkeit ausbilden, die nicht so sehr den innerlichen Menschen ergreift, aber die äußere Welt in ihrer Geistigkeit begreift.
(GA-349)
Die Behauptung:
Scheinbar widersprüchlich, komplex, aber nicht per se rassistisch sind Steiners geschichtsphilosophische Entwicklungsgedanken. Wie alle seine Zeitgenossen hat er über Rassen nachgedacht. Das heißt aber nicht, dass er automatisch ein Rassist war, der beispielsweise schwarze Menschen ausgrenzen wollte.
unterschlägt, dass R. Steiner nicht bloß über das Thema nachgedacht hat, sondern sich eindeutig dazu äußerte:
Zu Asien gehört die gelbe Rasse, die Mongolen, die mongolische Rasse, und zu Europa gehört die weiße Rasse oder die kaukasische Rasse, und zu Afrika gehört die schwarze Rasse oder die Negerrasse. Die Negerrasse gehört nicht zu Europa, und es ist natürlich nur ein Unfug, daß sie jetzt in Europa eine so große Rolle spielt.
(GA-349)
Es liegt dies vor, daß gegenwärtig die Franzosen dasjenige, was ihre Sprache als Leichnamssprache aufrechterhalten hat, das Blut, auch noch selbst verderben. Die schreckliche Kulturbrutalität der Verpflanzung der schwarzen Menschen nach Europa, es ist eine furchtbare Tat, die der Franzose an anderen tut. Sie wirkt in noch schlimmerer Weise auf Frankreich selbst zurück. Auf das Blut, auf die Rasse wirkt das unglaublich stark zurück. Das wird wesentlich die französische Dekadenz fördern. Das französische Volk als Rasse wird zurückgebracht.
(GA-300b)
Untergehende Völker und Rassen haben in ihren Astralleibern eine Art von Fäulnisprozeß. Die einfallenden Hunnen und Mongolen brachten Furcht und Schrecken für die europäischen Völker mit durch die Art ihrer dekadenten Astralmaterie. Furcht und Schrecken sind aber ein sehr geeigneter Nährboden für solche verwesenden Astralstoffe. Diese niedergehenden Kräfte teilten sich den Ätherleibern der europäischen Bevölkerung mit, und die Folge war die furchtbare Krankheit des Aussatzes im Mittelalter. Wer mutig und furchtlos ist, dem können solche verwesenden Astralstoffe, wie sie Hunnen und Mongolen in sich trugen, nichts anhaben.
Da sich die sittlichen Eigenschaften in künftigen Generationen leiblich ausleben, wirkt man, wenn man sittlich lebt, nicht nur für sich selbst, sondern geradezu für die Gesundheit der kommenden Generationen.
(GA-94)
Die Behauptung:
Vielmehr war er der Überzeugung, dass kollektivistische Kategorien und Ideale in der Vergangenheit eine Berechtigung gehabt haben, sie aber für die Zukunft an Bedeutung verlieren müssten.
unterschlägt, wie weiter oben bereits erläutert, dass R. Steiner nicht bloß von der Berechtigung kollektivistischer Ideale überzeugt war, sondern sie als in der Vergangenheit gut und fortschrittlich bezeichnete. Und er in seiner Überzeugung, sie müssten für die Zukunft an Bedeutung verlieren, lediglich seiner Idee folgte, vor kurzem hätten sich die Aufgabengebiete von Geistern getauscht:
Das, was gut war in alten Zeiten, oder besser gesagt, was in der Sphäre der guten Geister des Lichtes war, das wird abgegeben im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts an die Geister der Finsternis. So daß von da ab die alten Impulse, die sich auf Rassen-, Stammes- und Volkszusammenhänge, auf das Blut gründen, übergehen in die Regierung der Geister der Finsternis, daß von da ab die Geister der Finsternis, die früher die Rebellen der Freiheit waren, den Menschen einzuimpfen beginnen, die Ordnungen auf Stammeszusammengehörigkeiten, auf Blutsbande zu begründen.
(GA-177)
Teil 4
Im Niemandsland
Vom Umgang mit Rassismus- und Antisemitismus-Vorwürfen gegen Rudolf Steiner und die Anthroposophie. Dieser Artikel ist zuerst erschienen in der Zeitschrift „DieDrei“, Ausgabe März/April 2021.
von Ralf Sonnenberg | 26.09.2021
[…]
Mag die Anthroposophie auch dem Einzelnen das geistige Potenzial zuschreiben, kollektive Prägungen nach und nach zu überwinden, da sie diesen im Unterschied zu den gegenwärtig vorherrschenden wissenschaftlichen Anschauungen nicht mit den Gewändern seines In-Erscheinung-Tretens verwechselt, und mag der Reinkarnationsgedanke einen Aufstieg der individuellen Menschenseele durch die verschiedenen Varietäten hindurch verheißen, sodass den Nichtweißen, »obgleich man uns entgegenhalten kann, dass der Europäer gegen die schwarze und die gelbe Rasse einen Vorsprung hat, doch keine eigentliche Benachteiligung« daraus erwächst: Anthroposophen tun gut daran, diese und andere Aussagen Rudolf Steiners in den Zeitkontext ihrer Entstehung einzubetten, sie zu hinterfragen und am Ende auch zu historisieren.
Zugutekommen könnte ihnen hierbei der Umstand, dass dieser selbst an vielen Stellen seines Werkes den Keim zur Überwindung eben dieser Stufenleiter legte:
»Heute schon sehen wir, wie im Grunde genommen die Kultur nicht mehr getragen wird von einer führenden Rasse unmittelbar, sondern wie die Kultur sich über alle Rassen ausbreitet. Und die Geisteswissenschaft soll ja gerade dasjenige sein, was ohne Unterschied der Rasse und Stämme die Kultur über die ganze Erde trägt, insofern die Kultur Geisteskultur ist.«
Das war, auf dem Zenit des spätkolonialen und imperialen Zeitalters ausgesprochen, durchaus vorausschauend, ebenso wie die einige Jahre später gegebene Zusicherung, dass der Rassenbegriff immer mehr an Bedeutung verliere und die Menschen unabhängig von Hautfarbe und Abstammung »aufeinander angewiesen« und daher bereits von ihrer »Naturanlage« her zur gegenseitigen Hilfe bestimmt seien.
Die Theorie, der Einzelne habe das geistige Potenzial zur Überwindung der Prägungen seines Aussehens, löst das Herabsetzende des Aufstiegsgedankens sowie R. Steiners Formulierung, „dass der Europäer gegen die schwarze und die gelbe Rasse einen Vorsprung“ habe, nicht auf.
Seiner Inkarnationstheorie folgend, verdreht R. Steiner wenige Sätze nach der Zitierten Textstelle: „obgleich man uns entgegenhalten kann, dass der Europäer gegen die schwarze und die gelbe Rasse einen Vorsprung hat…“ den Genozid an den amerikanischen Indigenen, als sei es ein Akt der Sterbehilfe gewesen. Des Weiteren wird in der folgenden Textpassage deutlich, dass R. Steiner seine „Rassen-Theorie“ nur Anfangs auf das äußere Erscheinungsbild des Menschen bezieht, um sie in einem zweiten Schritt auf die kulturellen Aspekte auszuweiten.
In dieser Art wird der Mensch von den Kräften ergriffen, die von der Erde aus bestimmend für ihn sind, so daß wir, wenn wir diese einzelnen Punkte ins Auge fassen, eine merkwürdig verlaufende Linie erhalten. Diese Linie besteht auch für unsere Zeit. Der afrikanische Punkt entspricht denjenigen Kräften der Erde, welche dem Menschen die ersten Kindheitsmerkmale aufdrücken, der asiatische Punkt denjenigen, welche dem Menschen die Jugendmerkmale geben, und die reifsten Merkmale drückt dem Menschen der entsprechende Punkt im europäischen Gebiete auf. Das ist einfach eine Gesetzmäßigkeit. Da alle Menschen in verschiedenen Reinkarnationen durch die verschiedenen Rassen durchgehen, so besteht, obgleich man uns entgegenhalten kann, daß der Europäer gegen die schwarze und die gelbe Rasse einen Vorsprung hat, doch keine eigentliche Benachteiligung. Hier ist die Wahrheit zwar manchmal verschleiert, aber Sie sehen, man kommt mit Hilfe der Geheimwissenschaft doch auf merkwürdige Erkenntnisse.
Wenn wir dann diese Linie weiterziehen, so kommen wir weiter nach Westen nach den amerikanischen Gebieten hinüber, in jene Gebiete, wo diejenigen Kräfte wirksam sind, die jenseits des mittleren Lebensdrittels liegen. Und da kommen wir – ich bitte das nicht mißzuverstehen, was eben gesagt wird; es bezieht sich nur auf den Menschen, insofern er von den physisch-organisatorischen Kräften abhängig ist, von den Kräften, die nicht sein Wesen als Menschen ausmachen, sondern in denen er lebt –, da kommen wir zu den Kräften, die sehr viel zu tun haben mit dem Absterben des Menschen, mit demjenigen im Menschen, was dem letzten Lebensdrittel angehört. Diese gesetzmäßig verlaufende Linie gibt es durchaus; sie ist eine Wahrheit, eine reale Kurve, und drückt die Gesetzmäßigkeit im Wirken unserer Erde auf den Menschen aus. Diesen Gang nehmen die Kräfte, die auf den Menschen rassebestimmend wirken. Nicht etwa deshalb, weil es den Europäern gefallen hat, ist die indianische Bevölkerung ausgestorben, sondern weil die indianische Bevölkerung die Kräfte erwerben mußte, die sie zum Aussterben führten. Von der Eigentümlichkeit dieser Linie hängt das ab, was auf der Oberfläche unserer Erde mit den Rassen sich abspielt, was von den Kräften, die nicht unter dem Einfluß der normalen Geister der Form stehen, bewirkt wird. Wo Rassencharaktere in Betracht kommen, da wirken sie in dieser Weise. In unserer Zeit wird der Rassencharakter aber allmählich überwunden.
So recht vorgebildet hat sich das schon in der allerfrühesten Erdenzeit. Wenn wir bis in die alte lemurische Zeit zurückgehen würden, so könnten wir die allerersten Ausgangspunkte der Rassenentwickelung in der Gegend des heutigen Afrika und Asien finden. Dann sehen wir später eine Herüberbewegung des Menschen nach der westlichen Richtung, und in der Verfolgung der rassebestimmenden Kräfte nach Westen können wir dann das Absterben in den Indianern beobachten. Nach Westen mußte die Menschheit gehen, um als Rasse zu sterben. Um aufzufrischen die Menschheit mit neuer Jugendkraft, findet der Zug nach Osten statt, der Zug, der von Atlantis herüber über Europa nach Asien sich bewegt. Dann geschieht eine Wiederholung des Zuges nach dem Westen. Es wiederholt sich aber jetzt nicht die Bewegung der Rassen, sondern gleichsam eine höhere Stufe der Rassenentwickelung, die Entwickelung der Kulturen. In gewisser Weise kann man sehen, daß die Entwickelung der Kulturen durchaus den Charakter annimmt, der im Sinne einer Fortsetzung der Rassenlinie liegt.
[…]
Je weiter wir herüber kommen nach Westen, desto mehr sehen wir, wie die Eigenschaften eines reiferen Alters der Kultur aufgedrückt werden. Wenn wir auch zugeben müssen, daß bis zur heutigen Gegenwart die Schöpfungen der Menschen in höherem Grade noch abhängig sind von den abnormen Kräften und Wesenheiten des Weltalls, so werden wir es doch begreiflich finden, wenn gesagt wird, daß nicht mehr ausschließlich mit Eigenschaften der Rasse die Menschen nach Westen gehen. Auch können wir verstehen, daß in gewisser Weise der Zug der Kultur ein solcher ist, daß die volle Jugendfrische der Kultur, das produktive Element derselben immer mehr erstirbt, je weiter sie nach Westen kommt.
Wer objektiv betrachtet, kann aus vielen Verhältnissen ersehen, daß auch unsere Zeitkultur in dieser Weise gesetzmäßig bestimmt ist. Man ist aber nicht geneigt, objektiv zu sehen. Wenn Sie aber das, was sich ergibt, betrachten, das betrachten, daß in der Tat alle Kultur im Flusse ist, da sehen Sie, daß, je weiter wir nach Westen kommen, die Kultur immer unproduktiver wird. Sie nähert sich also als Kultur dem Absterben. Je weiter nach Westen, desto mehr werden nur die äußeren Teile der Kultur blühen, die, welche nicht Auffrischung durch Jugendkraft erleben, sondern sich in gewisser Weise in das Greisenhafte hinein ausleben. Daher wird der Mensch im Westen für die Menschheit noch Großes und Gewaltiges leisten können in bezug auf physikalische, chemische und astronomische Entdeckungen, für alles, was unabhängig ist von der erfrischenden Jugendkraft. Das aber, was produktive Kraft benötigt, das braucht in der Tat eine andere Konfiguration der auf den Menschen wirkenden Kräfte.
(GA-121)
Dies war auch kein Ausrutscher, da er zwei Tage später erneut äußerte, worauf seiner Ansicht nach „die Sterblichkeit derselben, ihr Verschwinden“ beruhe:
Auf das Drüsen-System endlich – nur auf dem Umwege durch alle anderen Systeme – wirkt dasjenige, was wir bezeichnen können als die abnormen Geister der Form, die im Saturn ihren Mittelpunkt haben. Da haben wir in allem, was wir als Saturn-Rasse zu bezeichnen haben, in allem, dem wir den Saturn-Charakter beizumessen haben, etwas zu suchen, was sozusagen zusammenführt, zusammenschließt das, was wieder der Abenddämmerung der Menschheit zuführt, deren Entwicklung in gewisser Weise zum Abschluss bringt, und zwar zu einem wirklichen Abschluss, zu einem Hinsterben. Wie sich das Wirken auf das Drüsensystem ausdrückt, sehen wir an der indianischen Rasse. Darauf beruht die Sterblichkeit derselben, ihr Verschwinden. Der Saturn-Einfluss wirkt durch alle anderen Systeme zuletzt auf das Drüsensystem ein. Das sondert aus die härtesten Teile des Menschen, und man kann daher sagen, dass dieses Hinsterben in einer Art Verknöcherung besteht, wie dies im Äußeren doch deutlich sich offenbart. Sehen Sie sich doch die Bilder der alten Indianer an, und Sie werden gleichsam mit Händen greifen können den geschilderten Vorgang, in dem Niedergang dieser Rasse. In einer solchen Rasse ist alles dasjenige gegenwärtig geworden, auf eine besondere Art gegenwärtig geworden, was in der Saturnentwicklung vorhanden war; dann aber hat es sich in sich selber zurückgezogen und hat den Menschen mit seinem harten Knochensystem allein gelassen, hat ihn zum Absterben gebracht.
(GA-121)
Zugutekommen könnte ihnen hierbei der Umstand, dass dieser selbst an vielen Stellen seines Werkes den Keim zur Überwindung eben dieser Stufenleiter legte:
»Heute schon sehen wir, wie im Grunde genommen die Kultur nicht mehr getragen wird von einer führenden Rasse unmittelbar, sondern wie die Kultur sich über alle Rassen ausbreitet. Und die Geisteswissenschaft soll ja gerade dasjenige sein, was ohne Unterschied der Rasse und Stämme die Kultur über die ganze Erde trägt, insofern die Kultur Geisteskultur ist.«
Das war, auf dem Zenit des spätkolonialen und imperialen Zeitalters ausgesprochen, durchaus vorausschauend, ebenso wie die einige Jahre später gegebene Zusicherung, dass der Rassenbegriff immer mehr an Bedeutung verliere […]
In der Textpassage, aus der Ralf Sonnenberg zitiert, klingt bereits an, auf welche Annahme sich R. Steiners „einige Jahre später gegebene Zusicherung, dass der Rassenbegriff immer mehr an Bedeutung verliere“, gründete: Dass sich in Zukunft im Antlitz und Wesen der einzelnen Menschen ihre „Gedanken- und Empfindungsformen“ ausdrücken würden und dadurch ihr Aussehen immer individueller werde. R. Steiners bisherige Kategorien könnten dann nicht länger zutreffen, da die Menschen ihr Äußeres über die Grenzen dieser Kategorien hinaus verändern würden. R. Steiner war also weit davon entfernt, aus freien Stücken seinen Kategorisierungen weniger Bedeutung beizumessen. Stattdessen hielt er am Kategorisieren fest und sah für die Zukunft schlichtweg eine neue Unterscheidung nach Individualität und „Gruppenseelenhaftigkeit“ vor. Darauf werde ich an späterer Stelle nochmals eingehen.
So kommt es denn, daß im Laufe der künftigen Erdenentwickelung die Formkräfte, die Kräfte der inneren Gedanken- und Empfindungsformen, immer mehr siegen werden. Und insofern sie selbstlos sein werden, insofern sie zugewendet sein werden namentlich selbstloser Weisheit und selbstloser Liebe, werden diese Kräfte auf den Menschen formend wirken. Denn so gestaltete sich allmählich die menschliche Entwickelung: je weiter wir zurückgehen, desto ähnlicher ist in der äußeren Gestalt das Kind den Vorfahren. Je weiter wir in die Zukunft hineingehen, desto mehr wird der äußere Mensch ein Ausdruck der Individualität werden, die von Inkarnation zu Inkarnation geht. Das heißt, in einer und derselben Familie werden sich – was jetzt schon bis zu einem hohen Grade der Fall ist, und niemand, der Augen dafür hat, kann es ableugnen – die Gesichter immer unähnlicher gestalten, und auch die sonstigen Ausdrücke der menschlichen Gestalt, und das aus dem Grunde, weil sie als Ausdrücke nicht mehr sein werden der Familienausdruck oder der Rassenausdruck, sondern immer mehr und mehr der Ausdruck der einzelnen menschlichen Individualität, die von Inkarnation zu Inkarnation geht. Heute schon kann derjenige, der mit diesem Wissen der Geisteswissenschaft ausgerüstet ist, wenn er nur wirklich die Menschen über die ganze Erde hin anschaut, soweit es ihm möglich ist, sehen, wie neben den vererbten Rassen-, Familien- und sonstigen Eigentümlichkeiten immer auftreten individuellere und individuellere Gesichts- und Kopfbildungen und so weiter, immer individuellere Physiognomien. Er kann sehen, wie stark voneinander verschieden sind die einzelnen Formen der Angehörigen einer und derselben Familie. Natürlich leben wir in dieser Beziehung in einem Übergangszeitalter. Aber es bereitet sich jetzt schon der sechste nachatlantische Kulturzeitraum vor, dessen Eigentümlichkeit sein wird, daß wenig maßgebend sein werden – wie bei den vorhergehenden Kulturzeiträumen – die äußeren physiognomischen Rassenmerkmale, sondern über die ganze Erde hin wird im sechsten Kulturzeitraum maßgebend sein, wie stark schon die einzelnen Individualitäten ihrem Antlitze und ihrem ganzen Wesen aufgedrückt haben werden, was die Reste der selbstlosen Gedanken- und Empfindungsformen, namentlich der aus wirklicher Weisheit gewonnenen, zurückgelassen haben. Es ist jeder wirklichen Erkenntnis der Geisteswissenschaft zuwiderlaufend, wenn davon gesprochen würde, daß in demselben Sinne, wie es in der Vergangenheit führende Rassen für die einzelnen Kulturepochen gegeben hat, es etwa auch in der Zukunft eine solche führende Rasse geben würde, die durch Naturmerkmale namentlich hervorgebracht würde. Die uralt indische Kultur war getragen von einer führenden Rasse, die alte persische Kultur war getragen von einer führenden Rasse, ebenso die ägyptisch-chaldäische Kultur und die griechisch-lateinische Kultur. Heute schon sehen wir, wie im Grunde genommen die Kultur nicht mehr getragen wird von einer führenden Rasse unmittelbar, sondern wie die Kultur sich über alle Rassen ausbreitet. Und die Geisteswissenschaft soll ja gerade dasjenige sein, was ohne Unterschied der Rassen und Stämme die Kultur über die ganze Erde trägt, insofern die Kultur Geisteskultur ist. Aber einsehen kann man, daß unseren Zeitraum ein ganz anderer ablösen wird, in welchem sich über die ganze Erde hin am Menschen zeigen wird, inwieweit er wirklich schon sein inneres Wesen in der äußeren Form zum Ausdruck bringt.
(GA-133)
Die Behauptung, R. Steiner sichere zu, dass
die Menschen unabhängig von Hautfarbe und Abstammung »aufeinander angewiesen« und daher bereits von ihrer »Naturanlage« her zur gegenseitigen Hilfe bestimmt seien.
verdreht die betreffende Stelle in R. Steiners Vortrag vom 3. März 1923 in ihr Gegenteil. R. Steiner begründete das Aufeinander-angewiesen-Sein nicht durch eine allgemeine Naturanlage aller Menschen, sondern durch spezifische, erfundene Merkmale und angebliche Unfähigkeiten, die er den verschiedenen Menschengruppen eben nicht unabhängig von Hautfarbe und Abstammung, sondern gerade wegen derselben zuschrieb. Und ausgerechnet bei den „Weißen“ wich er von der Darstellung des aufeinander angewiesen Seins ab, und meinte stattdessen, sie seien „auf sich selber angewiesen“:
Daher ist Europa immer der Ausgangspunkt für alles dasjenige gewesen, was nun das Menschliche so entwickelt, daß das zu gleicher Zeit mit der Außenwelt in Beziehung kommt. Erfindungen sind in Asien sehr wenig gemacht worden. Verarbeitet kann dann die Geschichte werden; aber Erfindungen selber, wie gesagt, das, was durch die Erfahrung mit der Außenwelt entspringt, das können die Asiaten nicht machen.
Zum Beispiel war es einmal so mit einem Schraubendampfer. Den hatten die Japaner den Europäern abgeguckt, und nun wollten sie auch allein fahren. Vorher fuhren immer die Europäer und haben die Geschichte dirigiert. Nun wollten sie einmal allein fahren. Die englischen Ingenieure sind zurückgeblieben an der Küste. Plötzlich gerieten die Japaner draußen, die dann das Schiff geleitet haben, in helle Verzweiflung, denn das ganze Schiff drehte sich fortwährend um sich selber. Sie kriegten es nicht heraus, wie sie zu der Drehung die richtige Fortbewegung hinzubringen konnten. Die Europäer, die das wußten, die grinsten natürlich furchtbar am Ufer. Also dieses selbständige Denken, das der Europäer im Umgang mit der Umgebung entwickelt, das haben die Asiaten nicht. Die Japaner werden daher alle europäischen Erfindungen ausbilden; aber selber etwas ausdenken, das werden die Japaner nicht. Es ist einmal so beim Menschengeschlecht, daß die Menschen über die Erde hin eigentlich alle aufeinander angewiesen sind. Sie müssen einander helfen. Das ergibt sich schon aus ihrer Naturanlage.
Nun, sehen Sie, das hängt aber mit der ganzen übrigen Ausbildung des Menschen zusammen. Denken Sie sich einmal solch einen schwarzen Menschen. Der entwickelt besonders das Triebleben, also dasjenige, was im Innern kocht. Das gibt viel Asche. Die Asche, die setzt sich dann in den Knochen ab. Dadurch wird er mehr in den Knochen ausgebildet sein als derjenige, der der weißen Rasse angehört. Der verwendet dasjenige, was er im Innern hat, mehr auf das Blut. Daher werden seine Knochen feiner ausgebildet sein. Also der Neger hat grob ausgebildete Knochen, der Europäer hat feiner ausgebildete Knochen. Und das, was Asiaten sind, die gelbe Rasse, die stehen in der Mitte drinnen.
[…]
Die Weißen sind eigentlich diejenigen, die das Menschliche in sich entwickeln. Daher sind sie auf sich selber angewiesen. Wenn sie auswandern, so nehmen sie die Eigentümlichkeiten der anderen Gegenden etwas an, doch sie gehen, nicht als Rasse, sondern mehr als einzelne Menschen, zugrunde. Aber sie tun dafür noch etwas anderes. Sehen Sie, meine Herren, alles dasjenige, was ich Ihnen jetzt geschildert habe, das sind ja die Dinge, die im Leibe des Menschen vor sich gehen. Die Seele und der Geist sind mehr oder weniger unabhängig davon. Daher kann der Europäer, weil ihn Seele und Geist am meisten in Anspruch nimmt, Seele und Geist am meisten verarbeiten. Der kann es am ehesten vertragen, in verschiedene Erdteile zu gehen.
(GA-349)
Eine weitere Textstelle aus dem Beitrag „Im Niemandsland“ von Ralf Sonnenberg:
Janusgesicht der Moderne
Wie steht es aber um den Einwand des »Kulturrassismus«, sofern man darunter ein Denken in Vorurteilen und die pauschale Abwertung fremder Kulturen versteht? Dieser trifft in Teilbereichen – wie oben anhand von Beispielen nachzuweisen versucht wurde – zu, gerät jedoch ins Wanken, sobald er aufs Ganze zielt. Denn die Ablehnung eurozentrischer Geschichtsnarrative und Deutungshoheiten bis hin zu den Exzessen der modernen Ikonoklasten speist sich aus dem unauflösbaren Paradoxon, sich einerseits des als bedrückend erlebten »weißen« Kulturerbes mittels einer retrospektiven Vergangenheitskorrektur entledigen zu wollen, während andererseits der das Ansinnen stützende Wertekanon eben dieser Matrix selbst entstammt. So verdanken gesellschaftliche Umbrüche wie die Judenemanzipation Ende des 19. Jahrhundert oder das Aufkommen von Bürgerbewegungen wie »Black Lives Matter« ihre egalitäre Stoßkraft eben jenem Erbe europäischer Aufklärung, dessen hegemonialer Geltungsanspruch gegenwärtig zugleich unter Rassismusverdacht steht. Es waren aber von den Idealen der Französischen Revolution geleitete ehemalige Anhänger der Sklavenhaltergesellschaft, die 1791 die ›Bill of Rights‹ in Kraft treten ließen und sich für die unveräußerlichen Grundrechte auch der afroamerikanischen Minderheit einsetzten, was letzten Endes zur Abschaffung der Sklaverei in den USA führte. Anthroposophie-Kritikern, die bereits im Ideal einer Höherentwicklung im Sinne der Emanzipation von Kollektivismen bzw. in dem Feststellen eines Vorsprungs der europäischen Völker auf bestimmten Gebieten kulturalistische Hybris erblicken, wäre also im Gegenzug die Frage zu stellen: Welcher ideengeschichtlichen Tradition und mentalen Situation verdanken sie selbst das historisch-kritische Rüstzeug und den aufklärerischen Furor, mit dem sie gegen die vermeintlich irrationalen Bestrebungen der Anthroposophie zu Felde ziehen, wenn nicht eben jener Hinterlassenschaft, deren normative Teilüberlegenheit sie gleichzeitig zu desavouieren bereit sind?
Die angeführten Beispiele in dieser Passage des Beitrags von Ralf Sonnenberg stützen seine Aussage nicht:
Der Wertekanon einer Bürgerbewegung wie „Black Lives Matter“ bedarf selbstverständlich nicht erst des europäischen Kulturerbes, um eurozentrische Geschichtsnarrative und Deutungshoheiten abzulehnen. Die mentale Situation ist die erlebte Diskriminierung und die Überzeugung, Veränderung herbeiführen zu können. Wie sonst ließe sich erklären, dass es bereits lange vor der europäischen Aufklärung in den verschiedensten Gesellschaften, in denen Menschen versklavt wurden, Sklavenaufstände gab? Dass im Zuge der Proteste Denkmäler konföderierter Führungspersonen entfernt werden („moderne Ikonoklasten“), ist nicht auf die Aufklärung zurückzuführen, sondern dass die Abgebildeten für eine Gesellschaft standen, welche noch allgegenwärtiger als heutzutage afroamerikanische Leben geringschätzte.
Die „Bill of Rights“ in ihrer Fassung von 1791 gab der afroamerikanischen Minderheit keine unveräußerlichen Grundrechte. Dies wird besonders deutlich an dem Fall Dred Scott vs. Sandford: Im Jahr 1857 stellte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten in seinem Urteil fest, dass versklavte Menschen keine Bürger der Vereinigten Staaten sind und daher keinen Schutz von der Bundesregierung oder den Gerichten erwarten können. Das Urteil besagte auch, dass der Kongress nicht befugt war, die Sklaverei in einem Bundesgebiet zu verbieten. (https://www.archives.gov/milestone-documents/dred-scott-v-sandford) Und selbst nachdem die „Bill of Rights“ um den 13., 14. und 15. Zusatzartikel erweitert worden war, kann angesichts solcher Gesetze wie den sogenannten „Black Codes“ und der Situation der Indigenen in den darauffolgenden Jahrzehnten von einer normativen Teilüberlegenheit des europäischen Erbes im Bereich der Gleichberechtigung nicht die Rede sein.
Teil 5
Anthroposophie und Rassismus
Ein Beitrag aus der Goetheanum-Leitung: Peter Selg, Constanza Kaliks, Justus Wittich und Gerald Häfner
von Goetheanum-Leitung | 26.09.2021
[…]
Jeden biologischen oder genetischen Determinismus bekämpfte Steiner dabei scharf; er gehört zu den Vordenkern der heutigen Epigenetik und erachtete eine Fixierung des Menschen auf seine leibliche, ethnische oder kulturelle Herkunft als einen verhängnisvollen Rückfall in der Menschheits-, Bewusstseins- und Zivilisationsentwicklung. Das noch immer vorhandene « Unterschiedmachen in Bezug auf Menschen nach äußerlichen Rang-, Geschlechts-, Stammeskennzeichen und so weiter » sei unbedingt zu überwinden, so schrieb Steiner 1910 in einer Buchpublikation. Er negierte nie das Vorhandensein entsprechender Gegebenheiten und Lebensumstände; er rechnete sie jedoch nicht zum « Wesen des Menschen », sondern zu den schicksalhaften Bedingungen, « in denen er [der Mensch] lebt ». Auch der alte « Rasse »-Begriff höre auf, « eine jegliche Bedeutung zu haben gerade in unserer Zeit », betonte Steiner 1909.
Er wurde nicht müde, die Re-Aktualisierung einer biologischen oder ethnischen Typisierung und Bewertung von Menschen als gefährlichen, regressiven Abweg in einem Jahrhundert zu beschreiben, das im Zeichen der Freiheit, der Begegnung von Ich und Du, der Menschen- und Völkerverbindung, des kulturellen Austauschs und der Zusammenarbeit stehen müsse. 1917, drei Jahre nach Beginn des nationalistisch geprägten Ersten Weltkriegs, sagte er in einem Vortrag geradezu : « Ein Mensch, der heute von dem Ideal von Rassen und Nationen und Stammeszusammengehörigkeiten spricht, der spricht von Niedergangsimpulsen der Menschheit. Und wenn er in diesen sogenannten Idealen glaubt, fortschrittliche Ideale vor die Menschheit hinzustellen, so ist das die Unwahrheit, denn durch nichts wird sich die Menschheit mehr in den Niedergang hineinbringen, als wenn sich die Rassen-, Volks- und Blutsideale fortpflanzen. »
Die Behauptung, R. Steiner gehöre „zu den Vordenkern der heutigen Epigenetik“, ist absurd angesichts seiner folgenden Äußerung:
Mit der Art und Weise, wie gerade der Kopf angeregt wird bei schwangeren Frauen, hängt es ungeheuer stark zusammen, wie das Kind ausgebildet wird.
Und wenn man an diese Dinge richtig denken würde – ich sage Ihnen jetzt etwas, was Sie vielleicht überraschen wird, was aber trotzdem angestrebt werden muß –, so würde auch etwas anderes entstehen, als heute entsteht. Sehen Sie, wenn heute eine schwangere Frau gerade fragen würde, was man ihr zu lesen geben will – es gibt ja nichts! Man kann auch eigentlich schon zu gar nichts raten! Neulich bin ich in Basel in eine Buchhandlung gekommen, da fand ich das neueste Programm dessen, was gedruckt wird: ein Negerroman, wie überhaupt jetzt die Neger allmählich in die Zivilisation von Europa hereinkommen! Es werden überall Negertänze aufgeführt, Negertänze gehüpft. Aber wir haben ja sogar schon diesen Negerroman. Er ist urlangweilig, greulich langweilig, aber die Leute verschlingen ihn. Ja, ich bin meinerseits davon überzeugt, wenn wir noch eine Anzahl Negerromane kriegen, und wir geben diese Negerromane den schwangeren Frauen zu lesen, in der ersten Zeit der Schwangerschaft namentlich, wo sie heute ja gerade solche Gelüste manchmal entwickeln können – wir geben diese Negerromane den schwangeren Frauen zu lesen, da braucht gar nicht dafür gesorgt zu werden, daß Neger nach Europa kommen, damit Mulatten entstehen; da entsteht durch rein geistiges Lesen von Negerromanen eine ganze Anzahl von Kindern in Europa, die ganz grau sind, Mulattenhaare haben werden, die mulattenähnlich aussehen werden!
So daß man sagen kann: Man beachtet eben heute gar nicht dasjenige, was in der geistigen Kultur enthalten ist. Es ist eben so, daß eine gesunde Erziehung auch allmählich in alles hineingehen wird, was wir lesen oder was wir uns erzählen lassen. Und da werden zum Beispiel einmal vielleicht, wenn man das beachtet, was Anthroposophie sagt, Romane entstehen für Schwangere. Wenn die Schwangeren diese lesen werden, werden sie schöne Menschen wieder vor sich haben, und die schönen Menschen werden aber auch geboren werden zu starken und schönen Menschen. Denn während der Schwangerschaft ist das Weib zugleich durch das, was sie im Kopfe tut, die Veranlassung zu der Tätigkeit, die in ihrem Unterleib vor sich geht. Sie macht die Formen des Kindes aus dem, was sie sich vorstellt, was sie empfindet, was sie will.
Und da, meine Herren, wird Geisteswissenschaft überhaupt handgreiflich. Da wird es so, daß man nicht mehr sagen kann: das Geistige hat keinen Einfluß auf den Menschen. Denn er steht sein ganzes Leben, wenn nicht später eine Erziehung das reguliert, unter dem Einfluß eigentlich desjenigen, was seine Mutter getrieben hat namentlich in den ersten Monaten der Schwangerschaft. In der späteren Zeit ist es nicht mehr so von besonderer Wichtigkeit, weil da der Mensch schon gebildet ist, in bestimmte Formen gebracht ist. Aber die ersten Monate sind ganz besonders wichtig und bedeutungsvoll. Gerade wenn man auf den physischen Ursprung des Menschen im Mutterleibe sieht, offenbart sich einem dasjenige, was einen am allermeisten zur Geisteswissenschaft hindrängt.
[…]
Aber, sehen Sie, das kommt nämlich auch vor: Wenn zum Beispiel die Mutter noch nie einen Menschen mit einer auffallend schiefen Nase gesehen hat und sie begegnet einem solchen gerade in den ersten Monaten der Schwangerschaft, so wird in den meisten Fällen, wenn nicht eine Regulierung eintritt, das Kind eine schiefe Nase bekommen. Und Sie werden sogar sehen können, daß in den meisten Fällen, wenn die Mutter überrascht wird durch einen, der die Nase schief nach rechts hat, so wird das Kind mit der Nase schief nach links geboren. Geradeso wie beim Menschen die rechte Hand mit dem linken Sprachzentrum zusammenhängt, wie sich im Menschen alles umdreht, so dreht sich auch da die Sache um. Wir können verfolgen: Wenn einer eine schiefe Nase hat, so hat er ganz sicher seine schiefe Nase davon, daß die Mutter einmal durch einen Menschen irgendwie erschreckt worden ist, der nach der ändern Seite eine schiefe Nase hatte! Sehen Sie, so trägt der Mensch noch viele andere Merkmale an sich. Die materialistische Wissenschaft redet immer bei allem, von dem sie nicht weiß, woher es kommt, vom Vererben. Hat einer eine schiefe Nase – nun, er hat es halt geerbt; hat einer eine rote Gesichtsfarbe – er hat es halt geerbt; aber so liegen die Dinge eben nicht. Es kommt eben von solchen Dingen, wie ich sie Ihnen erzählt habe. Der Begriff der Vererbung ist einer der allerunklarsten, den die moderne Wissenschaft hat.
(GA-348)
Die Behauptung
Er negierte nie das Vorhandensein entsprechender Gegebenheiten und Lebensumstände; er rechnete sie jedoch nicht zum «Wesen des Menschen», sondern zu den schicksalhaften Bedingungen, «in denen er [der Mensch] lebt».
wird äußerst fragwürdig, wenn man die Passage kennt, aus der dabei zitiert wird: Nur drei Sätze weiter verdreht R. Steiner den Genozid an den amerikanischen Indigenen. Die Textpassage ist weiter oben bereits aufgeführt.
Der Satz
Auch der alte « Rasse »-Begriff höre auf, « eine jegliche Bedeutung zu haben gerade in unserer Zeit », betonte Steiner 1909.
unterschlägt den Grund, weshalb R. Steiner zu dieser Annahme kam: Laut R. Steiner verliere der Begriff an Bedeutung, da in Zukunft immer häufiger das individuell ausgebildete Ich der Menschen ihr Aussehen bestimmen werde. Und daher träten dann immer weniger Ähnlichkeiten auf, nach denen kategorisiert werden könne. Er legte allerdings bereits einen neuen Ansatz der Kategorisierung dar:
Wenn wir es von einer andern Seite fassen wollen, so können wir sagen, innerhalb der Entwickelung der Menschheit verliert immer mehr und mehr der Begriff, worin sich die Gruppenseelenhaftigkeit am meisten ausdrückt, an Bedeutung, nämlich der Rassenbegriff. Wenn wir hinter die große atlantische Katastrophe zurückgehen, so sehen wir ja, wie sich die menschlichen Rassen vorbereiten. In der alten atlantischen Zeit haben wir durchaus die Menschen gruppiert nach äußeren Merkmalen in ihrem Körperbau, noch viel stärker als heute. Was wir heute Rassen nennen, das sind nur noch Überbleibsel jener bedeutsamen Unterschiede der Menschen, wie sie in der alten Atlantis üblich waren. So recht anwendbar ist der Rassenbegriff nur auf die alte Atlantis. Daher haben wir, da wir rechnen mit einer wirklichen Entwickelung der Menschheit, für die nachatlantische Zeit gar nicht den Begriff der Rasse im eminentesten Sinne gebraucht. Wir sprechen nicht von einer indischen Rasse, persischen Rasse und so weiter, weil das nicht mehr richtig ist. Wir sprechen von einem altindischen Kulturzeitraum, von einem altpersischen Kulturzeitraum und so weiter.
Und vollends würde es jeden Sinn verlieren, wenn wir davon sprechen wollten, daß sich in unserer Zeit vorbereite eine sechste Rasse. Wenn noch in unserer Zeit Reste der alten atlantischen Unterschiede, der alten atlantischen Gruppenseelenhaftigkeit vorhanden sind, so daß man noch sprechen kann davon, daß die Rasseneinteilung noch nachwirkt – was sich vorbereitet für den sechsten Zeitraum, das besteht gerade darinnen, daß der Rassencharakter abgestreift wird. Das ist das Wesentliche. Deshalb ist es notwendig, daß diejenige Bewegung, welche die anthroposophische genannt wird, welche vorbereiten soll den sechsten Zeitraum, gerade in ihrem Grundcharakter dieses Abstreifen des Rassencharakters aufnimmt, daß sie nämlich zu vereinigen sucht Menschen aus allen Rassen, aus allen Nationen und auf diese Weise überbrückt diese Differenzierung, diese Unterschiede, diese Abgründe, die zwischen den einzelnen Menschengruppen vorhanden sind. Denn es hat in gewisser Beziehung physischen Charakter, was alter Rassenstandpunkt ist, und es wird einen viel geistigeren Charakter haben, was sich in die Zukunft hinein vollzieht.
Daher ist es so dringend notwendig, zu verstehen, daß unsere anthroposophische Bewegung eine geistige ist, die auf das Spirituelle sieht, und gerade das, was aus physischen Unterschieden herrührt, durch die Kraft der geistigen Bewegung überwindet. Es ist ja durchaus begreiflich, daß eine jede Bewegung sozusagen ihre Kinderkrankheiten hat und daß man im Anfang der theosophischen Bewegung die Sache so dargestellt hat, als wenn sozusagen die Erde in sieben Zeiträume zerfiele – man nannte das Hauptrassen – und jede der Hauptrassen in sieben Unterrassen; und daß das alles sich so stetig wiederholen würde, so daß man immer von sieben Rassen sprechen könnte und sieben Unterrassen. Aber man muß über die Kinderkrankheiten hinauskommen und sich klar sein darüber, daß der Rassenbegriff aufhört eine jegliche Bedeutung zu haben gerade in unserer Zeit.
Etwas anderes bereitet sich ferner vor – etwas, das mit der Individualität des Menschen in ganz eminentem Sinne zusammenhängt – im Individueller-Werden und immer Individueller-Werden der Menschen. Es handelt sich nur darum, daß diese Individualität es im rechten Sinne wird, und dazu soll nun die anthroposophische Bewegung dienen, daß die Menschen im rechten Sinne Individualitäten werden, oder Persönlichkeiten, könnten wir auch sagen.
[…]
Das ist der Fortschritt, daß immer neue Arten der Lebensentwickelung auftreten innerhalb des Fortganges, daß nicht dasjenige, was an Begriffen für frühere Zeiten gegolten hat, auch für künftige gelten soll. Sonst – wenn wir das nicht einsehen, wird uns nicht die Idee des Fortschrittes ganz klarwerden. Wir werden sozusagen sonst immer wiederum in den Fehler zurückfallen, daß wir sagen: So und so viele Runden, Globen, Rassen und so weiter. Und immer kugelt das herum und wieder herum und immer in derselben Weise. – Man kann nicht einsehen, warum dieses Rad von Runden, Globen, Rassen sich immer wieder drehen soll. Darum handelt es sich, daß das Wort Rasse eine Bezeichnung ist, die nur für gewisse Zeiten gilt. Um den sechsten Zeitraum herum hat der Begriff kaum mehr einen Sinn. Rasse hatten nur noch in sich die Elemente, die von der atlantischen Zeit geblieben sind.
In der Zukunft wird dasjenige, was zum Tiefsten der menschlichen Seele spricht, sich auch immer mehr und mehr in dem Äußeren des Menschen ausdrücken, und es wird dasjenige, was der Mensch als ein auf der einen Seite ganz Individuelles erworben hat und doch wiederum unindividuell erlebt, dadurch ausdrücken, daß es hinauswirkt bis zum menschlichen Antlitz; so daß die Individualität des Menschen ihm auf seinem Antlitz geschrieben sein wird, nicht die Gruppenseelenhaftigkeit. Das wird die menschliche Mannigfaltigkeit ausmachen. Alles wird individuell erworben, trotzdem es durch die Überwindung der Individualität da ist. Und wir werden nicht Gruppen treffen unter denen, die erfaßt sind vom Ich, sondern im Äußeren wird sich das Individuelle ausdrücken. Das wird auch den Unterschied bilden zwischen den Menschen. Da werden solche sein, die sich ihre Ichheit erworben haben; sie werden über die ganze Erde hin zwar mit den mannigfaltigsten Antlitzen da sein, aber an ihrer Mannigfaltigkeit wird man erkennen, daß bis in die Geste hinein zum Ausdruck sich bringt das individuelle Ich. Während bei denen, die die Individualität nicht ausgebildet haben, die Gruppenseelenhaftigkeit dadurch zum Ausdruck kommen wird, daß sie auch in ihrem Antlitz die Gruppenseelenhaftigkeit tragen werden; das heißt, sie werden in Kategorien zerfallen, die einander gleichen werden. Das wird die äußere Physiognomie unserer Erde sein: daß vorbereitet sein wird eine Möglichkeit, die Individualität als äußeres Zeichen an sich zu tragen und die Gruppenseelenhaftigkeit als äußeres Zeichen an sich zu tragen.
Das ist der Sinn der irdischen Entwickelung, daß der Mensch immer mehr und mehr die Fähigkeit erlangt, in seinem Äußeren das Innere darzustellen. Deshalb gibt es eine alte Schrift, in welcher das größte Ideal für die Entwickelung des Ich, der Christus Jesus, so charakterisiert wird, daß gesagt wird: Wenn die zwei eins werden, wenn das Äußere wie das Innere wird, dann hat der Mensch die Christushaftigkeit in sich erreicht. Das ist der Sinn einer gewissen Stelle des sogenannten Ägypter-Evangeliums. Solche Stellen begreift man aus der anthroposophischen Weisheit heraus.
(GA-117)
Er wurde nicht müde, die Re-Aktualisierung einer biologischen oder ethnischen Typisierung und Bewertung von Menschen als gefährlichen, regressiven Abweg in einem Jahrhundert zu beschreiben, das im Zeichen der Freiheit, der Begegnung von Ich und Du, der Menschen- und Völkerverbindung, des kulturellen Austauschs und der Zusammenarbeit stehen müsse.
R. Steiners Ansicht, die Re-Aktualisierung einer ethnischen Typisierung und Bewertung von Menschen sei im neuen Jahrhundert als gefährlicher, regressiver Abweg zu beschreiben, gründet sich auf seine Idee, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hätten die Aufgabengebiete der „guten Geister des Lichtes“ und der „Geister der Finsternis“ getauscht. Dies wurde weiter oben schon erläutert.
In dem Satz:
1917, drei Jahre nach Beginn des nationalistisch geprägten Ersten Weltkriegs, sagte er in einem Vortrag geradezu : « Ein Mensch, der heute von dem Ideal von Rassen und Nationen und Stammeszusammengehörigkeiten spricht, der spricht von Niedergangsimpulsen der Menschheit. Und wenn er in diesen sogenannten Idealen glaubt, fortschrittliche Ideale vor die Menschheit hinzustellen, so ist das die Unwahrheit, denn durch nichts wird sich die Menschheit mehr in den Niedergang hineinbringen, als wenn sich die Rassen-, Volks- und Blutsideale fortpflanzen. »
wird das Zitat mitten im Satz hinter einem Semikolon begonnen und die Schreibweise des ersten Wortes wurde geändert. Dadurch wird unterschlagen, was R. Steiner direkt davor sagte:
Und insbesondere kann man den gegenwärtigen Zeitpunkt nicht verstehen, wenn man nicht weiß, was für ein Austausch von Funktionen gerade im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts sich vollzogen hat. Ein Mensch noch des 14. Jahrhunderts, der gesprochen hat von dem Ideal der Rassen, von dem Ideal der Nationen, der hat gesprochen aus den fortschreitenden Eigenschaften der menschlichen Entwickelung heraus; ein Mensch, der heute von dem Ideal von Rassen und Nationen und Stammeszusammengehörigkeiten spricht, der spricht von Niedergangsimpulsen der Menschheit. Und wenn er in diesen sogenannten Idealen glaubt, fortschrittliche Ideale vor die Menschheit hinzustellen, so ist das die Unwahrheit. Denn durch nichts wird sich die Menschheit mehr in den Niedergang hineinbringen, als wenn sich die Rassen-, Volks- und Blutsideale fortpflanzen.
(GA-177)
Ein weiterer Abschnitt aus dem Beitrag „Anthroposophie und Rassismus“:
Weil die Anschuldigungen jedoch trotz dieses Kommissionsberichtes nicht aufhörten, sondern durch Kritiker zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch weiter an Schärfe gewannen, legte der englische Philosoph und Anthroposoph Robert Rose 2013 eine umfangreiche Studie unter dem Titel « Transforming Criticisms of Anthroposophy and Waldorf Education – Evolution, Race and the Quest for Global Ethics » vor, die als E-book veröffentlicht wurde und 2016 auch in deutscher Übersetzung im Berliner Wissenschaftsverlag erschien. In dieser Arbeit gelang es Rose unter anderem überzeugend aufzuzeigen, dass die wenigen, aus heutiger Sicht problematischen und von der niederländischen Kommission beanstandeten Wortlaute in Rudolf Steiners umfassenden Opus vom Ende des 19. und beginnenden 20. Jahrhundert aus Vorträgen stammen, in denen Steiner die Bildung uralter Vorfahren der Menschheit in typologischer Weise beschrieb; in dieser Zeit, so machte Steiner geltend, hatte der « Rasse »-Begriff noch Bedeutung und Berechtigung, weil der geographische Einfluss der Erdenkräfte auf die menschliche Organisationsstruktur (über den « physischen Leib ») außerordentlich stark und das menschliche Ich, als individueller Wesenskern, zu diesem Zeitpunkt noch kaum ausgebildet war. Robert Rose zeigte auf, dass Steiners evolutions-biologisch zu verstehende Aussagen nicht nur wiederholt dekontextualisiert, sondern von den Kritikern willentlich in ganz andere Zusammenhänge überführt wurden. Seine « sorgfältige Klärung der wirklichen Bedeutung einzelner Äußerungen, die auf den ersten Blick als äußerst problematisch erscheinen » – und von Kritikern zu Fundamentalaussagen Steiners über die heute ( !) in außereuropäischen Kontinenten geborenen Menschen in ihrer vermeintlichen Einseitigkeit stilisiert wurden – bildete einen wichtigen Beitrag der anthroposophischen Sekundärliteratur zu diesem Themenkomplex.
Hierbei wird unterschlagen, dass R. Steiner in den entsprechenden Vorträgen nicht ausschließlich „die Bildung uralter Vorfahren der Menschheit in typologischer Weise beschrieb“, sondern in vielen solcher Vorträge zusätzlich eindeutig auf seine Gegenwart Bezug nahm und sich über seinerzeit in außereuropäischen Kontinenten geborene Menschen äußerte:
Und wenn der Mensch nicht loskommen kann mit seinem sogenannten Denken von dem Sprachinhalte, so denkt er eigentlich, wenn er substantivisch denkt, etwas ganz Ungeistiges, etwas, was gar nicht hineindringt in die geistige Welt. Er schnürt sich einfach durch das substantivische Denken von der geistigen Welt ab. Das ist auch in der Gegenwart reichlich der Fall, daß sich die Menschen durch ein gewisses substantivisches Denken von der geistigen Welt abschnüren. Völker, welche schon in die Dekadenz gekommen sind und welche selbst die Verben sehr substantivisch empfinden, wie die Neger, die schnüren sich dadurch vollständig von der geistigen Welt ab.
(GA-190)
Wir selber in Europa nennen uns die weiße Rasse. Gehen wir nach Asien hinüber, so haben wir hauptsächlich in Asien die gelbe Rasse. Und wenn wir nach Afrika hinübergehen, da haben wir die schwarze Rasse. Das sind auch die ursprünglichen Rassen. Alles andere, was sonst noch in diesen Gegenden lebt, beruht eben auf Einwanderung. Also wenn wir fragen: Was gehört zu diesen Erdteilen für eine Rasse hinzu? – so müssen wir eben doch sagen: Zu Asien gehört die gelbe Rasse, die Mongolen, die mongolische Rasse, und zu Europa gehört die weiße Rasse oder die kaukasische Rasse, und zu Afrika gehört die schwarze Rasse oder die Negerrasse. Die Negerrasse gehört nicht zu Europa, und es ist natürlich nur ein Unfug, daß sie jetzt in Europa eine so große Rolle spielt. Diese Rassen sind gewissermaßen in diesen drei Erdteilen heimisch.
(GA-349)
Um uns hineinzuarbeiten in die Art und Weise, wie die Geisteswissenschaft über die Evolution denkt, müssen wir vom Nächstliegenden ausgehen. Nicht alle heute auf der Erde lebenden Menschen stehen auf derselben Stufe der Entwickelung. Neben den Völkern, die auf einer hohen Kulturstufe stehen, gibt es Naturvölker, welche in der Kultur weit zurückgeblieben sind. Es hat sich in der heutigen Naturwissenschaft die Anschauung herausgebildet – und sie wird mit großer Zähigkeit festgehalten, obschon neuere Tatsachen dagegen sprechen –, daß die höherentwickelten Völker von den in der Entwickelung zurückgebliebenen Völkern abstammen. Diese Anschauung ist den Ergebnissen der Geistesforschung nicht entsprechend. Erwähnen wir hier beispielsweise die Völker, die durch die Entdeckung Amerikas bekannt wurden, und schildern wir in Kürze eine Episode, die uns einen Einblick in das Geistesleben dieser Völker gewährt. Bekanntlich hatten die Weißen die Indianerbevölkerung immer weiter in das Innere des Landes zurückgedrängt und das Versprechen, ihnen Ländereien zu geben, nicht gehalten. Ein Häuptling dieser Indianer sagte einmal zu dem Anführer eines europäischen Eroberungszuges: Ihr Bleichgesichter habt uns unsere Länder genommen und habt uns versprochen, uns andere zu geben. Aber der weiße Mann hat dem braunen Mann das Wort nicht gehalten, und wir wissen auch warum. Der bleiche Mann hat kleine Zeichen, in denen Zauberwesen stecken und aus denen erforscht er die Wahrheit. Was er aber erfährt, ist nicht die Wahrheit, denn es ist nicht gut. Der braune Mann sucht nicht in solchen kleinen Zauberzeichen die Wahrheit. Er hört den «Großen Geist» im Rauschen des Waldes, im Rieseln des Baches. Im Blitz und Donner gibt ihm der «Große Geist» kund, was recht und unrecht ist.
Wir haben in der amerikanischen Rasse eine primitive Urbevölkerung vor uns, die weit, weit zurückgeblieben ist, auch in bezug auf religiöse Weltanschauung. Aber sie hat sich bewahrt den Glauben an einen monotheistischen Geist, der aus allen Lauten der Natur zu ihr spricht. Der Indianer steht mit der Natur in so innigem Verhältnis, daß er noch in allen ihren Äußerungen die Stimme des hohen schöpferischen Geistes hört, während der Europäer so in der materialistischen Kultur steckt, daß er die Stimme der Natur nicht mehr wahrnehmen kann. Beide Völker haben denselben Ursprung, beide stammen von der Bevölkerung der Atlantis ab, die einen monotheistischen Glauben besaß, entsprungen aus einem geistigen Hellsehen. Aber die Europäer sind hinaufgestiegen zu einer höheren Kulturstufe, während die Indianer stehengeblieben und dadurch in Dekadenz gekommen sind. Diesen Entwickelungsvorgang muß man immer beachten. Er läßt sich darstellen wie folgt. Im Laufe der Jahrtausende verändert sich unser Planet, und diese Veränderung bedingt auch eine Entwickelung der Menschheit. Die Seitenzweige, die nicht mehr in die Verhältnisse hineinpassen, werden dekadent. Wir haben also einen geraden Entwickelungsstamm und abgehende Seitenzweige, die verfallen (siehe Zeichnung).
Von dem Punkte der atlantischen Zeit, wo Europäer und Indianer noch miteinander vereint waren, weiter zurückgehend, kommen wir in eine Zeit, wo der Körper des Menschen noch verhältnismäßig weich, von gallertartiger Dichtigkeit war. Da sehen wir wieder Wesen sich abzweigen und zurückbleiben. Diese Wesen entwickeln sich weiter, aber in absteigender Linie, und aus ihnen entsteht das Affengeschlecht.
Wir dürfen nicht sagen, der Mensch stamme vom Affen ab, sondern beide, Menschen und Affen, stammen von einer Form ab, die aber eine ganz andere Gestalt hatte als die Affen und die heutigen Menschen. Die Abzweigung erfolgte von einem Punkte, wo diese Urform die Möglichkeit hatte, einerseits aufzusteigen zum Menschen und andrerseits hinunterzufallen, zum Zerrbilde des Menschen zu werden.
[…]
Auch in der atlantischen Zeit war der menschliche Körper noch formbar und konnte durch den Willen von innen heraus umgestaltet werden. Dies hatte seine Begründung darin, daß der Ätherleib, wie oben gesagt, teilweise noch außerhalb des physischen Körpers war. So hat der Ätherleib gearbeitet an der äußeren Gestalt, und die Wesen, welche nicht in der richtigen Art an ihrem Leib arbeiteten, haben sich zu dem entwickelt, was wir heute Affen nennen. So sind diese Karikaturen der heutigen Menschen entstanden. Sie stammen von uns ab, nicht wir von ihnen. Man kann hier die Frage aufwerfen: Warum spalteten sich gerade die Affen ab, warum blieb ein Teil auf einer niedrigeren Stufe zurück als seelenlose Wesen – hier ist die höhere Seele gemeint, nicht der Astralleib? Es kamen eben andere Verhältnisse. Der Mensch paßte sich denselben an, sie aber vermochten dies nicht. Ihr physischer Leib verhärtete, während der Mensch seinen physischen Körper weich und bildsam erhalten konnte.
Im Beginn der Erdenentwickelung haben wir uns den Menschen vorzustellen mit einem feinen ätherischen Körper. Diesen hat er immer mehr umgebildet. Ein Hellseher hätte damals den Menschen in Form einer Kugel wahrgenommen. Die Zeichnung auf Seite 243 soll den Stammbaum der Entwickelung erläutern.
Ziemlich spät in der atlantischen Zeit zweigte die Art ab, die sich dann später zu den heutigen Affen gestaltete.
(GA-100)
Das Selbe gilt natürlich nicht bloß für seine Vorträge, sondern wie bereits erwähnt auch für sein schriftliches Werk:
Die Vorfahren der Atlantier wohnten auf einem verschwundenen Landesteil, dessen Hauptgebiet südlich vom heutigen Asien lag. Man nennt sie in theosophischen Schriften die Lemurier. Nachdem diese durch verschiedene Entwickelungsstufen durchgegangen waren, kam der größte Teil in Verfall. Er wurde zu verkümmerten Menschen, deren Nachkommen heute noch als sogenannte wilde Völker gewisse Teile der Erde bewohnen. Nur ein kleiner Teil der lemurischen Menschheit war zur Fortentwickelung fähig. Aus diesen bildeten sich die Atlantier. – Auch später fand wieder etwas ähnliches statt. Die größte Masse der atlantischen Bevölkerung kam in Verfall, und von einem kleinen Teil stammen die sogenannten Arier ab, zu denen unsere gegenwärtige Kulturmenschheit gehört. Lemurier, Atlantier und Arier sind, nach der Benennung der Geheimwissenschaft, Wurzelrassen der Menschheit. Man denke sich zwei solcher Wurzelrassen den Lemuriern vorangehend und zwei den Ariern in der Zukunft folgend, so gibt das im ganzen sieben. Es geht immer eine aus der andern in der Art hervor, wie dies eben in bezug auf Lemurier, Atlantier und Arier angedeutet worden ist. Und jede Wurzelrasse hat physische und geistige Eigenschaften, die von denen der vorhergehenden durchaus verschieden sind. Während zum Beispiel die Atlantier das Gedächtnis und alles, was damit zusammenhängt, zur besonderen Entfaltung brachten, obliegt es in der Gegenwart den Ariern, die Denkkraft und das, was zu ihr gehört, zu entwickeln.
(GA-11)
Teil 6
Offener Leserbrief: Anthroposophie ist in ihrem Wesen und ihrer Praxis antirassistisch
Peter Selg 11. September 2020
‹Reichsbürger› und andere rechte Gruppierungen haben die Berliner Großdemonstration gegen die Corona-Maßnahmen am 29. August 2020 für ihre Zwecke zu nutzen versucht – und dafür viel Raum in den Medien bekommen, die der Corona-Protestbewegung insgesamt eine Verbindung nach Rechtsaußen unterstellen. An Bekenntnissen zur Spiritualität, die in der Protestbewegung immer wieder geäußert werden, stoßen sich einige Kommentatoren besonders und behaupten dabei eine genuine Verbindung von ‹Esoterik› und rechten Ideologien – ausdrücklich auch für die Anthroposophie. Die schärfste Polemik formulierte Annika Brockschmidt unter der Überschrift ‹Sind das jetzt alles Nazis?› am 1. September 2020 in Zeit online. Peter Selg widerspricht in einem Offenen Brief an Redaktionsleitung und Herausgeber der ‹Zeit›.
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Die Autorin behauptet, ein rassistischer Gedankenkern durchziehe das anthroposophische Werk Rudolf Steiners. Bis zum Verbot der Anthroposophischen Gesellschaft im November 1935 seien die Anthroposophen mit den Nationalsozialisten in eine „gemeinsame Sache“ vereint gewesen und hätten die Weimarer Republik, die Demokratie, den Pluralismus und den Parlamentarismus abgelehnt. Diese Behauptungen sind unzutreffend, ja vollkommen abwegig. Sie zeugen von einer eklatanten Unkenntnis der Anthroposophie sowie der historisch-wissenschaftlichen Literatur zu diesen Themenkomplexen. Annika Brockschmidt unterstellt Anthroposophen eine geringe Aufarbeitungsbereitschaft dieser Zusammenhänge, ja ein „radikal ahistorisches“ Denken, offensichtlich ohne die diesbezüglichen historischen Studien, die in nicht geringer Zahl vorliegen, je zur Kenntnis genommen zu haben. Diese Arbeiten weisen im Detail nach, wie intensiv sich Steiner nach 1918 über sieben Jahre, bis zu seinem Tod 1925, für den Aufbau einer freiheitlichen und pluralistischen parlamentarischen Demokratie und gegen jedes nationalistische, rassistische, antisemitische und ‹eugenische› Denken ausgesprochen hat – und wie sehr er deswegen im Visier rechter Kräfte und Gruppierungen war, massiv bedroht und angegriffen wurde («Das ist ja etwas Furchtbares, wie heute die Menschen hineinstreben in Rasse und Völker und wie sie allen Kosmopolitismus im Grunde begraben wollen», sagte Steiner noch in einem seiner letzten Vorträge, am 18.9.1924).
Dies ist der Beginn eines Beitrags, welcher auf der Website „anthroposophie-gegen-rassismus.de“ verlinkt ist und in der Wochenschrift „Das Goetheanum“ erschien, herausgegeben durch die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft. Der Verfasser Peter Selg unterschlägt, dass er ausgerechnet aus einer Textpassage zitiert, in welcher R. Steiner Menschen nach geographischen Regionen kategorisiert und ihnen dann je nach Kategorie einen Großteil ihrer kognitiven Fähigkeiten abspricht.
Wir werden da, ich möchte sagen, auf das eigentliche Kulturgeheimnis der Gegenwart hingewiesen, das sich ja zunächst so äußert, daß die Menschen nicht gleich dreigespalten erscheinen, sondern so erscheinen – was ja in unserer jetzigen Zeit nun mit Händen zu greifen ist –, daß wir Wolkenmenschen haben, die nur denken können, während verkümmert sind die beiden anderen Teile: Regenbogen und Feuerfüße, daß wir Regenbogenmenschen haben, bei denen vorzugsweise das Gefühl ausgebildet ist, die auch zum Beispiel die Anthroposophie nur mit dem Gefühl erfassen können, nicht mit dem Verstande. Aber sie sind nicht nur in der anthroposophischen Gesellschaft, sondern auch draußen in der Welt vorhanden. Diese Menschen können die Welt nur mit dem Gefühl erfassen; bei ihnen ist verkümmert Denken und Wille, aber das Gefühl ist besonders ausgebildet. Dann gibt es heute Menschen, die eigentlich so handeln, wie wenn sie bloß den Willen hypertrophiert ausgebildet hätten. Verkümmert ist ihr Denken und Gefühl: Stiermäßig handelnde Menschen, nur den unmittelbar äußeren Impulsen hingegeben – die feuerfüßigen Menschen.
Und die Vision Johannes des Apokalyptikers stellt schon auch diese drei Arten von Menschen dar, die wir antreffen im Leben. Wir müssen uns mit diesem Geheimnis gerade der heutigen Zivilisationsepoche schon bekanntmachen, damit wir in der richtigen Art die Menschen betrachten. Dies kommt ja übrigens auch heraus, wenn man die großen Weltereignisse anschaut.
Sehen Sie einmal hin auf alles dasjenige, was jetzt in Rußland geschieht. Wir haben den Einfluß der Wolkenmenschen, der vorzugsweise denkenden Menschen, bei denen Gefühl und Wille verkümmert sind. Den Willen möchten sie übergeben dem sozialen Mechanismus, das Fühlen wird von ahrimanischen Mächten in Anspruch genommen, weil die Menschen es nicht selber in der Hand haben. Denker sind sie, aber weil der Erdenmensch durchaus ahrimanisch und luziferisch gestaltet ist, ist ihr Denken so, daß man sagen kann – ich werde ein Bild gebrauchen, das jedem als ein durchaus selbstverständliches Bild erscheint, der Geisteswissenschaft kennt; abschrecken wird es nur den, der sich erst hineinleben muß in solche Sachen –: Wenn man die Gedanken von Lenin und den anderen nimmt und betrachtet diese Gedanken als ein Bild, wie sieht dasjenige aus, was ein Zusammenfluß der Gedanken Lenins, Trotzkis, Lunatscharskis und so weiter ist? Stellt man sich eine Welt aus diesen Gedanken vor, so bekommt man dasjenige, was man in der Physik ein Kraftsystem, ein System von Kräften nennt. Ja, meine lieben Freunde, mit diesen Kräften könnte man, wenn man ein Elementarriesengeist wäre, über eine weite Gegend hinaus Wolken formen, Donner und Blitze erregen, wenn man die Kräfte eben in Wolkenregionen betrachtet. Aber sie gehören nicht auf die Erde. Es ist ein Bild, das Sie vielleicht überraschen wird, aber derjenige, der in die okkulten Hintergründe des Daseins hineinsieht, muß das sagen. In den Köpfen der führenden Russen weben und leben dieselben Kräfte, die im Blitz sind, die in den Wolken geformt werden über unseren Köpfen und die zur Erde die Blitze niederstrahlen, die Donner rollen. Dahinein gehören diese Kräfte, sie wirken deplaziert in den führenden Menschen des Bolschewismus.
[…]
Diejenigen Menschen nun, die so innerhalb der Rasse dastehen, daß sie eigentlich Wolkenmenschen sind, denen stehen wiederum die anderen gegenüber, die Regenbogenmenschen sind. Bei ihnen ist das Denken verkümmert, sie leben mit traditionellen Gedanken am liebsten, sie haben eine gewisse Scheu, mit den Gedanken an die geistige Welt heranzugehen. Zahlreiche Menschen gerade in mitteleuropäischen Gegenden treten uns als solche Regenbogenmenschen entgegen.
Je weiter wir nach Westen gehen, desto mehr verkümmert ist eigentlich Denken und Fühlen und wir kommen zu krankhaften Ausbildungen der feuerfüßigen Menschen. Solche feuerfüßige Menschen sind gerade in den westlichen Gegenden Europas und vermutlich in Amerika zahlreich zu finden, so daß wir nach dieser Richtung auch die Erde gliedern können: Im Osten gibt es viele Wolkenmenschen, in der Mitte viele Regenbogenmenschen, im Westen viele feuerfüßige Menschen. Und man könnte sagen: Ausgebreitet ist über die Erde, wenn man sie geistig von außen ansieht, etwas wie ein Bild gerade der Gestalt, die uns hier beim Apokalyptiker entgegentritt, wenn wir die Rassenentwickelung in Betracht ziehen. Würden wir uns etwa von der Erde erheben – geistig, man kann das nicht im Luftballon oder im Luftschiff machen –, würde man sich geistig erheben vielleicht von einem Punkte aus, der in Westfalen liegt, in die Höhe hinauf und würde zurückschauen auf die Erde, so würde Asien eine Art wolkenähnliches, Sonnenformen annehmendes Gesicht haben; über Europa würde man Regenbogenfarben ausgebreitet sehen, und weiter hinüber nach Westen Feuerfüße, von denen der eine im Stillen Ozean steht, der andere auf den südamerikanischen Anden. Und man würde die Erde selber unter diesem Bild bekommen.
Sehen Sie, meine lieben Freunde, diese für unsere Zeit tief einschneidendsten Weissagungen des Apokalyptikers sind etwas, was für das Priesterwirken außerordentlich wichtig ist, denn darin besteht ja gerade dieses große Rätsel unserer Zeit, das sich herausgebildet hat seit Napoleon. Unter dem Einfluß des Napoleonismus, des ersten Napoleon, entstand ja erst eigentlich mit voller Deutlichkeit dieses Streben der Menschen in die Rasse, in die Nation hinein, das heute in einer so unverständigen Weise durch den Wilsonianismus zum Ausdruck gekommen ist. Das ist ja etwas ganz Furchtbares, wie heute die Menschen hineinstreben in Rassen und Völker und wie sie allen Kosmopolitismus im Grunde begraben wollen. Das kommt aber daher, daß dieser Durchgang durch den Schwellenort eben vorliegt. Und wie sich der Mensch bei seiner Entwickelung in die geistige Welt spaltet, so spalten sich in Regionen, die dem einzelnen Menschenindividuum unbewußt bleiben, die Erdenmenschen nach Wolkenmenschen, Regenbogenmenschen, feuerfüßigen Menschen. Diese Dreispaltung des Menschen, wie ich sie beschrieben habe für den einzelnen Menschen in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», sie ist nun für die Erdenmenschheit eingetreten, sie ist jetzt da. Das gewaltige Bild, das der Apokalyptiker zeichnet, ist da in Asien, in Europa, in Amerika. Und die Menschen können zunächst nicht den Zusammenklang der drei Teile finden; statt den Zusammenklang in der Vereinigung zu suchen, suchen sie die Zersplitterung, und im einzelnen tritt das ganz merkwürdig auf.
Man kann in diesem ganz äußerlichen Denken, das die Menschen ergreift, zum Beispiel sehen, wie sich die Menschen nicht zusammenfinden in innerem Verstehen, sondern oftmals sich zusammenschließen nach Äußerlichkeiten. Wir können zum Beispiel sehen, wie zwischen Böhmerwald und Fichtelgebirge, von den Erzbergen im Politz-Adersbacher Sandsteingebirge herunter bis zur March, bis zum ehemaligen Preßburg – Pozsony hieß es in Ungarn, ich weiß nicht, wie es heute heißt –, wenn wir die Mannhartsberge als Südgrenze nehmen, daß sich da in den Tschechen ein im eminentesten Sinne wolkenmenschliches Volk findet, das nur das Denken ausgebildet hat, und daß dieses nicht mit innerem Verständnis zusammengekommen, sondern zusammengeschweißt worden ist mit den ganz anders gearteten Slowaken, bei denen das Denken gar nicht vorhanden ist, sondern die Regenbogenmenschen im ausgesprochenen Sinne des Wortes sind. Wir sehen auf der anderen Seite, wie ganz äußerlich wiederum ein anderes Verhältnis, das kurz vorher gebildet worden ist, aufgelöst wird. In alldem waltet kein Geist mehr, sondern Erdenmenschentätigkeit, die den Geist ausschließen will. Wir sehen die ganze Slowakei kurz vorher losgelöst von Böhmen, Mähren, Schlesien, das das Gebiet ist, das ich vorher angegeben habe. Wir sehen diese ganze Slowakei früher vereinigt mit dem magyarischen Lande und mit den echten Magyaren. Sie müssen nur unterscheiden die echten Magyaren von den eingewanderten Magyaren, die man schon an den Namen erkennt. Der echte Magyar heißt so, daß man es im Westen gar nicht aussprechen kann, besonders wenn er noch älter ist; er heißt aber Hirschfeld, wenn er einer der besonders schreienden und agitatorischen Magyaren der Gegenwart ist. Man muß schon auf die echten Magyaren zurückgehen. Bei diesen hat man es zu tun mit ausgesprochen feuerfüßigen Menschen, die kurze Zeit zusammengeschweißt waren mit den Regenbogenmenschen der Slowakei. So wird gewürfelt von dem heutigen Welt-Ungeist, daß die Slowaken früher mit den Magyaren, jetzt mit den Tschechen zusammengeworfen werden. So wird überhaupt heute gewürfelt. Das drückt sich auch in den tiefergehenden Symptomen aus, darin zum Beispiel, daß ein wirklich bedeutender Mensch wie Masaryk, der an der Spitze der Tschechoslowakischen Republik steht, eigentlich Slowake ist, nicht Tscheche. Aber wer Masaryk kennt, weiß, daß er eben ein Regenbogenmensch ist, der gar nicht denken kann. Man lese seine Bücher und man wird sehen: In seinen Büchern denkt die Zeit. Er ist ein Regenbogenmensch, ein echter Slowake.
Man muß nach diesen Kategorien die Menschen der Gegenwart schon anschauen können, um zu sehen, welches Zufallswürfelspiel eigentlich getrieben wird, das natürlich im Weltenkarma schon begründet ist.
(GA-346)
Teil 7
Da der Kritik an R. Steiners Reinkarnationstheorie und Entwicklungsgedanken wiederholt mit dem Hinweis begegnet wird, er habe doch Entwicklungswege für alle Menschen aufgezeigt und es ginge ihm in besonderem Maße um die Entwicklung des Individuums, lohnt sich abschließend ein Blick auf R. Steiners fehlendes Verständnis dessen, wie Entwicklung und Lernen überhaupt stattfindet.
R. Steiner stellt in seinen folgenden Äußerungen an falscher Stelle einen Zusammenhang zwischen Schmerz und Entwicklung her. Sicherlich wird ein Kind Strategien entwickeln, um Schmerz zu vermeiden. Und sollte die Vermeidung nicht möglich sein, um den Schmerz auszublenden. Das führt allerdings nicht zuverlässig dazu, dass es beispielsweise besser laufen lernt. Denn die Strategie kann auch beinhalten, das Laufen zu vermeiden oder ausschließlich mit Unterstützung zu laufen um nicht hinzufallen.
Weiche Untergründe wie Rindenmulch auf Spielplätzen halten Kinder selbstverständlich nicht davon ab Laufen, Klettern und Balancieren zu lernen. Im Gegenteil, ohne Schmerzen kann nach dem Hinfallen einfach wieder aufgestanden und weiter gespielt und gelernt werden.
In dem Augenblick, in dem uns etwas gelingt, merken und lernen wir wie es geht. Solange uns etwas misslingt, zeigt sich uns lediglich, wie es nicht geht. Die Bedeutung des Schmerzes ist dabei eigentlich so simpel wie offensichtlich: Ohne Schmerzempfinden nähme unser Leben durch Überstrapazierung ein frühes Ende.
Nehmen Sie an, ein Kind lernt gehen. Es fällt fortwährend und tut sich weh, es bereitet sich dadurch Schmerz. Dennoch wäre es unrichtig, wenn eine Mutter ihr Kind mit lauter Kautschukballen umgeben würde, damit es, wenn es fällt, keinen Schmerz haben würde. Dann würde das Kind niemals laufen lernen. Der Schmerz ist die Lektion. Er bereitet uns vor zu einer höheren Entwickelungsstufe. Nur dadurch, daß das Leben des einzelnen Menschen zwischen Geburt und Tod nicht in lauter Lust aufgeht, sondern daß es uns den aus unseren unvollkommenen Verrichtungen entspringenden Schmerz und die daraus entstehende Unlust bereitet, nur dadurch lernen wir. Und schließt das Leben mit einer Unlustbilanz, so schließt es zugleich mit einer Ursache, die für das spätere Leben eine Wirkung haben wird. Durch eine Unlust des einen Lebens werden wir eine höhere Stufe des nächsten Lebens erreichen. So weitet sich uns der Blick, wenn wir das Leben des Menschen über Geburt und Tod hinaus betrachten. Es stellt sich die Lust- und Unlustbilanz als etwas dar, was da sein muß, damit wir lernen von dem einzelnen Leben und es herübertragen können in ein anderes Leben. Würden wir nicht Schmerz erleiden, so würde es uns gehen wie einem Kind, das nicht laufen lernen kann, wenn man ihm den Schmerz erspart. Daher kommen wir dazu, die Unlustbilanz, wie sie der Pessimist anführt, als einen Entwickelungsfaktor anzusehen. Der treibt als Motor die Entwickelung vorwärts. Dann kommt für uns der Satz, der oftmals gesprochen wird: der Schmerz ist ein Entwickelungsfaktor, zu Ehren, und bekommt auch einen höheren Sinn. Und so werden wir das Einzelleben begreifen als Wirkung, als ein Ergebnis vorhergehender Ursachen. Wenn wir es so begreifen als Wirkung, dann werden wir die nebeneinander bestehenden Vollkommenheitsgrade innerhalb der Menschen verstehen, wie wir die nebeneinander bestehenden Vollkommenheitsgrade innerhalb der Tiergattungen verstehen. Wie es uns nach der Entwickelungslehre nicht wunderbar erscheint, daß der vollkommene Löwe neben der unvollkommenen Amöbe lebt, wie uns diese unvollkommene Ausgestaltung aus dem Entwicklungsgesetz begreiflich ist, so wird uns auch die Entwickelungsstufe der Seele vom höchsten Genie bis zu der unentwickelten Stufe des Wilden begreiflich erscheinen aus dem Entwicklungsgesetz der Seele. Denn das Genie – als was stellt es sich uns dar? Es stellt sich uns dar als eine höhere Entwickelungsstufe, als ein höherer Vollkommenheitsgrad des Seelenwesens, das in dem Wilden auf einer untergeordneten Bildungsstufe lebt. So wie die höhere Tierart von den untergeordneten Gebilden der Tiere auf dem physischen Gebiete sich unterscheiden, so unterscheidet sich die Seele des Genies von der Seele des Hottentotten auf seelischem Gebiete. Dadurch erklärt sich uns aber auch, daß im Grunde genommen die geniale Begabung gar nichts radikal Verschiedenes ist von der gewöhnlichen Menschenbegabung, sondern daß es nur eine spätere Entwickelungsstufe ist.